Die historische Religionspädagogik erforscht Fragen der religiösen Erziehung, Bildung und Sozialisation unter historischer Perspektive und unterscheidet sich von der empirischen Religionspädagogik primär durch ihre Methoden der Datenakquisition und -auswertung. Während eine simple Gegenüberstellung zwischen historischem und empirischem Zugang zu kurz greift, zeigen sich tatsächlich vielfältige methodische Überschneidungen und gegenseitige Ergänzungen beider Forschungsrichtungen. Die Konjunktur historischer Forschung in der Religionspädagogik resultiert aus mehreren Faktoren: der Globalisierung und dem Interesse an vergleichenden Perspektiven, der Professionalisierung des Fachs und seiner Selbsthistorisierung, dem gewachsenen Methodenbewusstsein und einer bejahten Methodenpluralität sowie dem gestiegenen Interesse an bildungshistorischen Fragen in Nachbardisziplinen. Ein zentraler neuerer Forschungsansatz ist die Beziehungsgeschichte (connected history), die grenzüberschreitende, dynamische Beziehungen zwischen Nationen, Regionen, Religionen und Konfessionen analysiert, insbesondere die informellen Netzwerke nichtstaatlicher Akteure wie Missionsgesellschaften, die römisch-katholische Kirche und ökumenische Organisationen. Die Transfergeschichte hingegen fragt gezielt nach Anlässen, Selektionskriterien und Ergebnissen der Weitergabe theologischen, pädagogischen und schulorganisatorischen Wissens über Landesgrenzen hinweg, wie beispielsweise im Kontext von Kolonialbildungspolitik und säkularisierenden Schulreformen. Durch diese transnationalen Zugänge wird das interdisziplinäre Gespräch zwischen Religionspädagogik, Kirchengeschichte und allgemeiner Geschichtswissenschaft gefördert und das methodische Spektrum erweitert.