Der Artikel behandelt Personalisierung als didaktisches Prinzip in der Religionspädagogik, das sich in zwei Formen manifestiert: erstens als Vermittlung von Unterrichtsgegenständen durch Personen und zweitens als selbstbestimmtes Lernen des Subjekts. Personalisierung wird besonders in der Kirchengeschichtsdidaktik, beim biografischen Lernen und im interreligiösen Unterricht eingesetzt, um fremde Perspektiven als Reflexionsmedium für die eigene Lebenserfahrung nutzbar zu machen. Aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive wird Personalisierung als problematische Weltwahrnehmung kritisiert, die historische Ereignisse auf das Handeln einzelner "großer Persönlichkeiten" reduziert und dabei Strukturen sowie die Lebenswirklichkeit einfacher Menschen übersieht. Der Geschichtsdidaktiker Klaus Bergmann kritisierte diese Darstellungsform als "Fehlform historischen Denkens", die bei Schülern politische Apathie und autoritäre Einstellungen fördern könne. Als Alternative schlug Bergmann die Personifizierung vor, bei der idealtypische Vertreter von Gesellschaftsschichten die Perspektiven der anonymen Mehrheit repräsentieren. Die Religionspädagogik rezipierte diese geschichtsdidaktische Kritik zeitnah und entwickelte eine nuanciertere Darstellung kirchengeschichtlicher Personen: Diese werden nicht mehr als heldenhafte Vorbilder, sondern als ambivalente Menschen ihrer Zeit mit ihren Entscheidungssituationen, Scheitern und ihrer Gebrochenheit gezeigt. Ergänzend wird die Alltagsgeschichte und Erfahrung unbekannter Personen verschiedener Gesellschaftsschichten und Geschlechter in den Unterricht integriert, um die religiöse Dimension im Handeln gewöhnlicher Menschen bewusst zu machen. Ziel ist nicht die unreflektierte Nachahmung, sondern das kritische Befragen und die begründete Positionierung gegenüber historischen und religiösen Perspektiven.