Der Artikel behandelt die Mehrdeutigkeit und Ambivalenz des Machtbegriffs in der Religionspädagogik. Bernhard Grümme zeigt auf, dass Macht einen schlechten Ruf hat, obwohl sie unvermeidlich in allen gesellschaftlichen Strukturen wirkt. Er analysiert Max Webers Konzept der charismatischen Herrschaft und verdeutlicht, wie Machtverhältnisse selbst durch die Zustimmung der Beherrschten konstituiert werden, wie etwa bei Missbrauchsfällen in der Kirche. Der Autor kritisiert, dass die Religionspädagogik trotz ihrer politischen und sozialen Dimensionen bislang kaum elaborierte Auseinandersetzungen mit Macht führt, während Erziehungswissenschaft und Theologie dieses Feld intensiv bearbeiten. Gunda Werners intersektionale Machtanalyse zeigt auf, wie Religionsunterricht selbst Machtstrukturen reproduziert und Lehrkräfte unbeabsichtigt zu Agenten ausgrenzender Macht werden. Das Konzept des Empowerments wird als vielversprechend für Subjektwerdung diskutiert, wonach es strukturelle Ressourcen mit personalen Fähigkeiten verbindet. Allerdings warnt Grümme vor einer zu affirmativen Verwendung von Empowerment, die die Dialektik der Macht nicht hinreichend reflektiert. Eine kritisch selbstreflexive Religionspädagogik müsste die gesellschaftstheoretischen Implikationen von Macht und Bildung stärker bearbeiten, um nicht selbst zur Reproduktion von Machtstrukturen beizutragen.