Der Artikel von Annika Krahn behandelt das transformative Lernen als pädagogisches Konzept, das auf Jack Mezirow zurückgeht, dem Begründer der Transformativen Erwachsenenbildung in den USA der 1970er Jahre. Transformatives Lernen wird als umfassender Veränderungsprozess definiert, der den Übergang von einem Ist-Zustand zu einem angestrebten Ziel-Zustand darstellt und dabei fundamental und dauerhaft wirken soll. Im Gegensatz zur didaktischen Transformation nach Aschersleben, die sich auf die Umwandlung von Kulturgütern in Unterrichtsgegenstände konzentriert, legt transformatives Lernen den Fokus auf die Perspektive und Veränderung der Lernenden selbst. Mezirow versteht Lernen als Prozess der Deutung und Aneignung neuer oder berichtigter Interpretationen von Erfahrungen, wobei bisherige Bedeutungsperspektiven kritisch reflektiert werden. Das transformative Lernen ist genuin emanzipatorisch und befreit Lernende von Kräften und Einflüssen, die ihre Optionen und rationale Kontrolle über ihr Leben einengen. Der Lernprozess ist multifaktoriell und wird durch fünf verflochtene Bedingungen geprägt: Bedeutungsperspektive, Kommunikationsprozess, Handlungsweise, Selbstverständnis und äußere Umstände. Mezirows Theorie baut auf konstruktivistischen Ansätzen, Habermas' Theorie des kommunikativen Handelns und Poppers Lerntheorie auf, geht aber darüber hinaus, indem sie konkrete didaktisch-methodische Hinweise für transformatives Lernen entwickelt. Das Konzept wird als intentionale Hinwendung zur Reflexivität verstanden und stellt keine klassische Stufentheorie dar, sondern einen komplexen reflexiven Prozess, der bedeutsame Verhaltensänderungen ermöglicht.