Der Artikel behandelt die pädagogische Funktion der Diagnose von Lernausgangslagen im Religionsunterricht. Die Lernausgangslage wird als multidimensionales Konstrukt verstanden, das den Kompetenzstand, subjektive Theorien und Vorstellungen der Schülerinnen und Schüler, ihre Einstellungen sowie ihre religiöse Entwicklung und Sozialisation umfasst. Zur Erfassung dieser Dimensionen werden verschiedene Diagnoseformen unterschieden: die Statusdiagnostik und die Outcome-Diagnostik. Der Artikel präsentiert detailliert drei Modelle: das Modell der methodisch normfreien Sichtbarmachung, das empirische Forschungsmethoden wie Grounded Theory verwendet, um Schülervorstellungen deskriptiv zu erfassen; das Modell der unterrichtspraktischen Re-Modellierung, das implizite Ordnungsschemata von Lehrkräften nutzt; und das Modell der fachlichen Re-Modellierung. Während das erste Modell methodisch fundiert aber aufwendig ist, sind die anderen Modelle praktikabler, können jedoch zu Stereotype führen. Der Artikel hebt hervor, dass die Religionsdidaktik im Gegensatz zu Mathematik und Naturwissenschaften noch keine breite Forschungsbasis zu Grundvorstellungen von Schülerinnen und Schülern hat. Letztlich wird deutlich, dass eine Balance zwischen methodischer Rigorosität und praktischer Umsetzbarkeit anzustreben ist.