Der Lexikonartikel untersucht systematisch das Phänomen Langeweile im Schulkontext, das trotz seiner Verbreitung wissenschaftlich lange unterbelichtet blieb. Der Autor erklärt die Tabuisierung damit, dass Langeweile im Unterricht als Kritik an der Lehrperson wahrgenommen werden kann und dem Bildungsauftrag widerspricht. Nach etymologischer Herleitung von der Acedia wird Langeweile als aversive, gegenwartsbezogene Emotion definiert, die sich durch fehlende Kontrolle, negative Valenz und deaktivierende Wirkung auszeichnet. Heidegger liefert eine philosophische Systematisierung in drei Formen: das situative Gelangweiltwerden, das Sichlangweilen bei Tätigkeiten und die existenzielle Form. Die pädagogisch-psychologische Perspektive zeigt negative Auswirkungen auf Lernmotivation und Leistung. Der Artikel unterscheidet Langeweile von der positiven Erfahrung der Muße und betont deren qualitatives Zeitverhältnis. Für den Religionsunterricht argumentiert der Autor, dass eine konstruktive Auseinandersetzung mit Langeweile notwendig ist, anstatt sie nur vermeiden zu wollen. Das Phänomen wird als Chance zur Verbesserung von Lehr- und Lernprozessen interpretiert.