Der Artikel dokumentiert die historische Entwicklung der Männlichkeitsforschung von der Naturalisierung über die feministische Kritik hin zu dekonstruktivistischen Ansätzen. Das zentrale theoretische Konzept ist Raewyn Connells Modell der hegemonialen Männlichkeit, das Männlichkeit als mit Macht verknüpftes, gesellschaftlich konstruiertes Phänomen versteht. Männlichkeit wird durch das Konzept des doing masculinity als dynamischer Prozess gefasst, in dem Männer und Jungen kontinuierlich ihr Geschlecht im alltäglichen Handeln herstellen. Der Artikel unterscheidet zwischen dem unbewussten Habitus, der Geschlechtsidentität und bewussten Einstellungen als verschiedene Dimensionen von Männlichkeit. Das Konzept der ideologischen Männlichkeit beschreibt historisch geronnene Zuschreibungen wie Kontrolle, Autonomie, Stärke und Leistung, die nicht mehr den veränderten Lebenslagen entsprechen. Moderne Jungen konstruieren sich ein individuelles Patchworkset von Männlichkeitsprinzipien, werden aber dennoch durch traditionelle Anforderungen geprägt. Die Ablösung von der Mutterbeziehung und die Suche nach männlichen Bezugspartnern kennzeichnet die Sozialisationsprozesse von Jungen. Das Festhalten an hegemonialen Männlichkeitsnormen hat negative Auswirkungen auf die Gesundheit von Männern, die weniger auf ihr Wohlergehen achten. Der Artikel verdeutlicht die Problematik, dass Männern anerkannte alternative Identitätsquellen außerhalb der Erwerbsarbeit fehlen, im Gegensatz zu Frauen, die sich auf Erziehungsarbeit berufen können.