Bernhard Grümme analysiert in seinem Artikel einen paradigmatischen Wandel in der religionspädagogischen Theoriediskussion: Die Ablösung des Pluralismusparadigmas durch den Heterogenitätsbegriff. Während Pluralität primär religiöse und kulturelle Differenzen thematisiert und eine kritisch-reflektierte Auseinandersetzung damit anstrebt, erweitert der Heterogenitätsbegriff den Blick um soziale Dimensionen wie Klassenzugehörigkeit, Geschlecht, Migrationshintergrund und Lernfähigkeit. Diese Begriffserweiterung wird durch mehrere kontextuelle Faktoren der Gegenwart vorangetrieben: die Diskussion von Geschlechtergerechtigkeit und Gendertheorie, die Reflexion von Intersektionalität in kultur- und postkolonialen Studien sowie die Sichtbarwerdung von Exklusions- und Stratifizierungsmechanismen in Schulen. Grümme warnt jedoch davor, den Heterogenitätsbegriff unkritisch und ohne ausreichende semantische Klärung zu rezipieren, da dies zu neuen Aporien führen könne. Der Begriff wird in der Fachdiskussion zu einer Art Zauberformel, bleibt aber selbst unbestimmt und mehrdeutig. Der Artikel plädiert für eine aufgeklärte Heterogenität, die die machtförmigen Strukturen des Heterogenitätsdiskurses selbst kritisch reflektiert und gleichzeitig das Potenzial einer gerechtigkeitsorientierten Religionspädagogik nutzt.