Der Artikel untersucht die Entwicklung bibeldidaktischer Konzepte und die damit verbundenen Herausforderungen. Bis in die 1960er Jahre war biblisches Lernen zentral für den Religionsunterricht; inzwischen ist es zu einem Lernbereich unter mehreren geworden. Verschiedene didaktische Ansätze haben sich entwickelt: von textzentrischen Modellen (Baldermann, Berg, Niehl) über rezeptionsästhetische und dekonstruktivistische Konzepte bis zu bibeltheologischen Ansätzen. Allen gemeinsam ist das Anliegen, biblische Texte als Wort Gottes mit den Lebensdeutungen heutiger Menschen in Dialog zu bringen. Die zentralen Herausforderungen entstehen aus der Besonderheit biblischer Texte, den gegenwärtigen Kontexten (Säkularisierung, Postmoderne) und den unterschiedlichen Voraussetzungen der Lernenden. Empirische Befunde zeigen, dass biblische Geschichten für Jugendliche zunehmend irrelevant werden, wobei Religionsunterricht die Hauptquelle für Bibelkenntnis darstellt. Interessanterweise steigt das Bibelwissen mit zunehmendem Alter, während die Beliebtheit sinkt; auch zeigen sich Geschlechterdifferenzen mit besseren Leistungen bei Mädchen. Der Artikel verdeutlicht, dass biblisches Lernen heute ein bildender Prozess sein muss, der Menschen befähigt, ihre Position zum christlichen Glauben selbstständig zu verantworten und zu begründen.