Michel Foucault führte den Begriff der Gouvernementalität 1978 ein, um die Machtbeziehungen zwischen Regierung, Bevölkerung und politischer Ökonomie zu beschreiben. Gouvernementalität bezeichnet sowohl die Gesamtheit von Institutionen und Techniken zur Ausübung spezifischer Macht als auch eine historische Tendenz zur Vorrangstellung bestimmter Machtttypen im Abendland. Der Begriff setzt sich nicht einfach aus Regierung und Mentalität zusammen, sondern beschreibt die spezifischen Merkmale von Regierungstätigkeit. Foucault differenziert drei Phasen der Regierungskunst: das christliche Pastorat, die diplomatisch-militärische Technik und die Policey. Das christliche Pastorat ist dabei theologisch und religionspädagogisch relevant, da es eine Macht beschreibt, die nicht territorial begrenzt, sondern auf Sorge und Heil ausgerichtet ist und gleichzeitig individualisierend wirkt. Ab 1979 erweitert Foucault den Begriff zu einem Analyseraster für Machtverhältnisse generell, das nicht nur Staatlichkeit, sondern die Lenkung von Menschenverhalten untersucht. Die Parrhesia, verstanden als freie Rede und kritische Wahrheitssage, stellt dabei ein Gegenmoment zur Gouvernementalität dar und wird besonders in theologischen Kontexten relevant. Der Artikel demonstriert, wie die drei Begriffe Gouvernementalität, Pastorat und Parrhesia zusammenhängen und welche Bedeutung sie für theologisches und religionspädagogisches Reflektieren haben.