Der Artikel definiert Gewalt als illegitime Einwirkung auf die Integrität anderer Personen und unterscheidet zwischen legitimer staatlicher Gewalt und illegitimer Gewalt in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen. Das Phänomen wird aus theologischer, soziologischer, psychologischer und kriminologischer Perspektive beleuchtet. Der Autor betont die Bedeutung von Opferschutz (Viktimisierung) und warnt davor, strukturelle Bedingungen mit Täterschaft zu verwechseln. Verschiedene Erklärungsansätze werden dargestellt: verhaltensbiologische Modelle erklären Gewalt als evolutionären Revierverhaltensmodus, während tiefenpsychologische Theorien Gewalt als Triebverhalten interpretieren. Das Bobo-Doll-Experiment zeigt, dass aggressives Verhalten durch Beobachtung und Verstärkung gelernt wird. Neuere Forschung betont die Wechselwirkung zwischen individuellen Dispositionen und sozialen Strukturen, wobei strukturelle Gewalt marginalisierte Gruppen besonders trifft. Gewaltforschung zu Jugendlichen verfolgt zwei Ziele: adäquate Reaktion auf Täter durch staatliche Institutionen und Prävention durch Konfliktkompetenzen und Strukturveränderungen. Beide Perspektiven erfordern Erklärungsansätze, die soziale Einbettung und individuelle Verantwortung gleichermaßen berücksichtigen. Genetische Dispositionen, Persönlichkeitsstörungen und Substanzenmissbrauch spielen als individuelle Faktoren eine Rolle. Der Artikel behandelt besonders körperliche, psychische und sexuelle Gewalt gegen Kinder als zentrale Forschungsfelder.