Der Artikel von Tanja Gojny analysiert die unterrepräsentierte Rolle der Fotografie in der gegenwärtigen Religionspädagogik und Medienpädagogik. Obwohl Fotografien ein konstitutiver Bestandteil der visuellen Kultur sind und empirische Studien zeigen, dass Kinder und Jugendliche täglich fotografieren und Fotos in sozialen Netzwerken als wichtigstes Kommunikationsmittel nutzen, wird das Medium in pädagogischen Theorien marginalisiert. Der Text präsentiert eine Systematisierung von Fototypen nach Adam (dokumentarisch, anthropologisch, Motivfotografie, künstlerisch, Montage, illustrativ) und deren didaktische Funktionen (Information, Interpretation, Meditation). Ein zentraler theoretischer Fokus liegt auf dem Konzept der Fotografie als vermeintliches "Fenster zur Wirklichkeit", das nach Barthes das "Es-ist-so-gewesen" verspricht und dadurch ihre Wirkmächtigkeit erklärt. Der Artikel diskutiert die Problematik dieser unreflektierten Wahrnehmung und weist auf Manipulationsmöglichkeiten in allen Phasen der Fotogenese hin. Dabei wird die Spannung zwischen der illustrativen Funktionalisierung von Fotos und ihrer potentiellen kritischen Nutzung für Bildungsprozesse ausgelotet. Der Text argumentiert für eine bewusstere Auseinandersetzung mit Fotografie als Bildmedium, die sowohl seine Stärken für Lernprozesse nutzt als auch seine konstruierte Natur und Manipulierbarkeit kritisch reflektiert.