Der Artikel untersucht die Erlebnispädagogik als pädagogisches Konzept, das sich seit den 1970er Jahren institutionalisiert hat und reformpädagogische Traditionen aufgreift. Erlebnispädagogik wird definiert als handlungsorientierte Methode, die Natur, Erlebnis und Gemeinschaft pädagogisch zielgerichtet verbindet und in naturnahen Räumen neue Lern- und Entwicklungsperspektiven eröffnet. Die theoretische Fundierung basiert vor allem auf Kurt Hahns Ansatz der Erlebnistherapie sowie auf kulturkritischen Deutungen des 19. Jahrhunderts, die Rousseau, Pestalozzi und Thoreau einbeziehen. Sozialwissenschaftlich wird Erlebnispädagogik über das Konzept des Handelns begründet, das aktive Auseinandersetzung mit der Umwelt zur Problemlösung betont. Die praktische Umsetzung erfolgt vornehmlich in sozialpädagogisch-therapeutischen Kontexten, während die theoretische Rezeption naturwissenschaftliche Angebote ideengeschichtlich legitimiert. Der Artikel identifiziert ein Spannungsgefüge zwischen Theorie und Praxis innerhalb des Feldes. Erlebnispädagogik versteht sich als kompensatorische Alternative zu traditionellen Unterrichtsstrukturen und als Antwort auf gesellschaftliche Defizite wie Passivität und Perspektivlosigkeit. Zentral ist die Funktion des Erlebnisses nicht als Ziel, sondern als pädagogisches Inhaltselement mit Charakterzügen des Ungewöhnlichen und der emotionalen Unmittelbarkeit. Erfahrungsräume mit Ernstcharakter, in denen echte Handlungszwänge wirken, sind kennzeichnend für erlebnispädagogische Settings. Die Gruppe fungiert als Lerngemeinschaft, die soziale Kompetenzen und Kooperationsfähigkeiten fördert. Der Ansatz verbindet sich mit Friedens- und Umwelterziehung und betont authentische, unmittelbare Erfahrungen als Grundlage für nachhaltige Lernprozesse.