Der Lexikonartikel untersucht Erinnerung und Erinnerungslernen als Schlüsselkonzepte der Religionspädagogik, die in Deutschland besonders im Kontext der Holocaust-Education diskutiert werden. Der Text argumentiert, dass Erinnern nicht nur eine rückwärtsgewandte Bewegung ist, sondern immer auch auf die Gegenwart und Zukunft ausgerichtet sein muss, um Mechanismen der Ausgrenzung und Gewalt besser verstehen und bekämpfen zu können. Diese doppelte Blickrichtung verbindet religiöse Lehr-Lernprozesse eng mit jüdischen und christlichen Traditionen, die beide von einer analogen Bewegung zwischen Vergangenheit und Zukunft geprägt sind. Der Artikel hebt besonders die Bedeutung des jüdischen Kalenders und Festkreises hervor, in dem Erinnerung durch wiederholende Rituale wie Pessach gelebt wird und sowohl individuelle als auch kollektive Identität bildend wirkt. Für christliches Erinnerungslernen sind die biblischen Erzählungen zentral, insbesondere die Narrative zu Leben, Tod und Auferstehung Jesu Christi, die als Interpretationsrahmen dienen. Der Text unterscheidet religiöse Erinnerung grundlegend von historischer Historiographie, wobei religiöse Erinnerung nach Deutungen fragt, während Geschichtswissenschaft Rekonstruktionen anstrebt. Gleichwohl stehen beide Größen in reziprokem Verhältnis: Religiöse Erinnerung braucht historisch-kritische Reflexion, während Historiographie deutende Orientierung benötigt. Der Artikel verweist auf Johann Baptist Metz als bedeutenden Theologen, der nach dem Zweiten Weltkrieg eine Theologie nach Auschwitz entwickelte und Erinnerung im biblischen Sinne gegen platonische Anamnesis-Lehren verteidigte. Nach der Shoa entstand für die christliche Religionspädagogik die explizite Verpflichtung, die Grundlagen jüdischer Religion und Kultur zu vermitteln und die Korrespondenz zwischen christlichem und jüdischem Erinnern nachvollziehbar zu machen.