Der Artikel von Annett Abdel-Rahman behandelt die Darstellung des Christentums im islamischen Religionsunterricht (IrU) in Deutschland. Der islamische Religionsunterricht ist eine noch relativ junge Unterrichtsform in deutschen Schulen, die sich methodisch und konzeptionell teilweise an bestehenden christlichen Religionspädagogiken orientiert. Ein zentraler Inhaltsbereich aller vorliegenden Curricula ist "Andere Religionen und Weltanschauungen", in dem das Christentum besondere Aufmerksamkeit erhält. Theologisch begründet sich die Behandlung des Christentums durch die gemeinsamen monotheistischen Wurzeln und das koranische Konzept der "ahl al-kitāb" (Volk der Schrift), das Judentum und Christentum einschließt. Der Artikel zeigt auf, dass muslimische Gelehrte die biblischen Schriften und Propheten als legitime Offenbarungsquellen anerkennen und diese in der Koranexegese nutzen. Gleichzeitig werden fundamentale theologische Unterschiede thematisiert, insbesondere bezüglich der Trinitätslehre und der Gottessohnschaft Jesu, wie sie in der Sure 112 (Al-Ichlas) offensichtlich werden. Der Artikel basiert auf einer Analyse von Curricula aller Bundesländer mit islamischem Religionsunterricht, Schulbüchern und Unterrichtsmaterialien. Es wird deutlich, dass die Auseinandersetzung mit dem Christentum nicht nur gegenwärtigen gesellschaftlichen Anforderungen des Zusammenlebens entspricht, sondern auch in der islamischen theologischen Tradition verankert ist. Der Artikel identifiziert jedoch auch ein Forschungsdesiderat bezüglich einer umfassenden Unterrichtsforschung zur Thematisierung des Christentums im IrU.