Pieter Kanis wurde 1521 als Sohn eines wohlhabenden Ratsherrn in Nijmegen geboren und erhielt eine humanistische Ausbildung an der Kölner Universität, wo er 1539 seinen Magister artium erwarb und 1545 sein Theologiestudium abschloss. In Köln kam er mit der Devotio moderna und der spirituellen Tradition des Kartäuserordens in Berührung, was seine geistliche Prägung grundlegend beeinflusste. Die Begegnung mit Peter Faber 1544 führte zu seiner Aufnahme in die Gesellschaft Jesu 1543, wo er 1546 zum Priester ordiniert wurde und 1549 als achter Jesuit die feierlichen Professgelübde ablegte. Unter persönlicher Leitung des Ordensgründers Ignatius von Loyola wurde Canisius zum Konzilstheologen beim Konzil von Trient ernannt und fungierte als Missionar zur Gründung eines Jesuitenkollegs in Messina. Nach seiner theologischen Promotion in Bologna wurde er Professor in Ingolstadt (1549–1552) und Wien (1552–1556), wo er die Gründung des Prager Kollegs vorantrieb. Von 1556 bis 1561 und erneut ab 1563 wirkte Canisius als Provinzial der Oberdeutschen Provinz mit Residenz zunächst in Wien, dann in München und trug damit wesentlich zur Struktur des Ordens im deutschsprachigen Raum bei. Als Domprediger in Augsburg (1559–1566) entfaltete er durch Predigten und persönliches Beispiel großen seelsorglichen Einfluss auf die Bevölkerung. Sein Wirken in der Schweiz ab 1580 zur Gründung des Kollegs St. Michel in Fribourg prägte seine letzte Lebensphase bis zu seinem Tod 1597. Die Biographie von Canisius illustriert exemplarisch die Rolle der Jesuiten bei der Gegenreformation durch Bildungsinstitutionen, universitäre Theologie, Seelsorge und die Formung von Fachpersonal für die kirchliche Erneuerung.