Der Lexikonartikel von Rita Burrichter behandelt umfassend die Verwendung von Bildern in religiösen Lernprozessen und deren historische sowie theoretische Dimensionen. Trotz des biblischen Bilderverbots etablierte sich in der christlichen Tradition eine praktizierte Bildpädagogik, die in der Alten Kirche mit bildtheologischen Vorbehalten ringt, wie der altkirchliche Bilderstreit und die reformatorischen Auseinandersetzungen zeigen. Grundlegend prägt Papst Gregors I. Diktum von Bildern als pädagogisches Instrument für die Ungelehrten die abendländische Tradition durch Jahrhunderte hindurch und führt zu einer instruktionistischen Funktionalisierung des Bildes für Katechese und Wissensvermittlung. Die westliche mittelalterliche und frühneuzeitliche Pädagogik verschärft diesen funktionalistischen Zugang durch Memorieren und präzise sprachliche Wiedergabe, während erst Comenius und die aufklärerische Pädagogik des 18. und 19. Jahrhunderts die emotionale und entwicklungspsychologische Dimension von Bildern theoretisch fundieren. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts werden diese Ansätze im Kontext verschiedener religionspädagogischer Konzeptionen (hermeneutisch, problemorientiert, korrelativ, symboldidaktisch) ausdifferenziert, wobei unterschiedliche Bildselektionen und methodische Zugangsweisen entstehen. Die symboldidaktische Konzeption seit den 1980er Jahren zeichnet sich durch eine besondere Aufmerksamkeit für die spezifische Sinnstiftung des Bildes als materielles Objekt aus und erkennt an, dass bildsprachlicher Ausdruck einen Mehrwert darstellt, der nicht vollständig in Worte konvertierbar ist. Diese Entwicklung wird zusammen mit rezeptionsästhetischen und erfahrungsbasierten Ansätzen in der modernen Religionsdidaktik aktuell geprägt und führt zu neuen Perspektiven für religiöse Lernprozesse jenseits traditioneller inhaltsorientierter Funktionalisierungen.