Günter Biemer war von 1970 bis 1994 Professor für Pädagogik und Katechetik an der Theologischen Fakultät Freiburg und prägte die deutschsprachige Religionspädagogik erheblich. Sein wissenschaftlicher Werdegang führte ihn von der Fundamentaltheologie zur Religionspädagogik, zunächst durch geistliche Gehorsamserpflichtung, dann durch tiefe fachliche Überzeugung. Seine lebenslange Beschäftigung mit John Henry Newman und dessen Konzepten von "notional assent" und "real assent" beeinflusste sein Verständnis von Religionsunterricht als ganzheitliche Zustimmung statt bloßer Wissensvermittlung. In Zusammenarbeit mit Dietrich Benner entwickelte er 1973 ein bildungstheoretisch fundiertes Curriculumkonzept für die Sekundarstufe II, das den Religionsunterricht vor marginalisierender Benachteiligung bewahrte. Sein DFG-Forschungprojekt zum Verhältnis von Judentum und Christentum im katholischen Religionsunterricht wurde zu seiner zentralen Lebensaufgabe und führte zur Gründung der Reihe "Lernprozess Christen Juden", die wissenschaftliche Standards für die Bekämpfung von Antisemitismus und Antijudaismus setzte. Biemer realisierte zahlreiche weitere Projekte wie das "Handbuch kirchlicher Jugendarbeit" (1985/1986) und das Funkkolleg "Religion" in Kooperation mit dem Süd-West Rundfunk. Seine mehrsprachigen Publikationen wie "Anstiftungen" erreichten über 70.000 Exemplare und zeigten seinen Anspruch, Religionspädagogik gesellschaftlich wirksam zu machen. Als Priester war Biemer parallel zur akademischen Karriere in der praktischen Seelsorge aktiv und bekannt für motivierende Seminare, kommunikative Kraft und Perfektionismus. Seine umfangreiche Newman-Bibliothek wurde kurz vor seinem Tod 2019 der Universität Freiburg übergeben.