Der Bibliolog ist ein religionspädagogischer Zugang zu biblischen Texten, der die Begegnung zwischen Menschen und Schrift ermöglicht und biblische Texte als lebendig und bedeutungsvoll erlebbar macht. Entwickelt wurde dieser Ansatz Mitte der 1980er Jahre von Peter und Susan Pitzele, wobei Peter Pitzele als Literaturwissenschaftler und Psychodramatiker die methodische Struktur prägte. Der Bibliolog basiert auf der jüdischen rabbinischen Hermeneutik, insbesondere auf dem Midrasch-Konzept, das die Zwischenräume zwischen den Buchstaben (das "weiße Feuer") nutzt, um ein tieferes Verständnis des Textes zu erreichen. Zentrale Methode ist die Identifikation der Teilnehmenden mit biblischen Gestalten, wodurch ein unmittelbarer, von innen heraus erlebter Textzugang entsteht. Die Methode zeichnet sich durch eine klare Struktur aus, die zeitlich begrenzt (15-30 Minuten), distanzierbar und qualitätssicherbar ist, was sie besonders für schulische und gemeindliche Kontexte geeignet macht. Im Unterschied zum verwandten Bibliodrama konzentriert sich der Bibliolog stärker auf die sprachliche Form und ermöglicht eine größere Distanzierung. Der Bibliolog ist ökumenisch und interreligiös ausgerichtet und eignet sich gleichermaßen für bibelfeste wie für Menschen ohne biblische Kenntnisse. Nach seiner Einführung in Europa Ende der 1990er Jahre verbreitete sich die Methode rasant; seit 2004 gibt es autorisierte deutschsprachige Ausbildungskurse, und 2006 wurde das Bibliolog-Netzwerk zur Qualitätssicherung gegründet. Mittlerweile sind mehrere tausend Menschen ausgebildet worden, und der Bibliolog wird in evangelischen, katholischen und jüdischen Kontexten sowie international in Afrika und Asien praktiziert.