Der Artikel von Peter Scheuchenpflug behandelt die katholische Aufklärung als ein vielschichtiges Phänomen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts, das in der historischen Forschung lange verdrängt wurde und bis heute kaum Eingang in Lehrpläne gefunden hat. Entgegen dem populären Bild einer genuin antikirchlichen Bewegung betont der Autor, dass die überwiegende Mehrheit der Aufklärer eine ausgewogene Verbindung von Vernunft und Glauben anstrebte. Am Beispiel des Josephinismus werden weitreichende politisch-kirchliche Reformprozesse illustriert, die Bildungswesen, Klosterstrukturen und religiöse Praxis gleichermaßen betrafen. Im Bildungsbereich spielten Klöster als Träger gelehrter Kultur eine zentrale Rolle; Universitäten und theologische Fakultäten wurden durch Reformer wie Franz Stephan Rautenstrauch und Johann Michael Sailer grundlegend neu ausgerichtet, mit Fokus auf Bibelstudium, Pastoraltheologie und selbständigem Denken. Im Elementarschulwesen wirkte besonders Johann Ignaz von Felbiger prägend. Staatlich verordnete Reformen der Volksreligiosität – Abschaffung von Feiertagen, Reglementierung von Wallfahrten, Liturgiereform – stießen vor Ort oft auf Widerstand, während die von Sailer-Schülern geförderte Bibelverbreitung eine konfessionsübergreifende Bibelbewegung auslöste. Kirchengeschichtsdidaktisch zeigt der Artikel Anknüpfungspunkte für den Religionsunterricht auf und schließt mit der Reflexion, dass das Ringen um eine vernunftgeleitete, zeitgemäße Gestalt des Christentums auch am Widerstand kirchlicher und staatlicher Strukturen scheitern kann – und damit bis heute aktuell bleibt.