Der Artikel analysiert Adoleszenz als Entwicklungsübergang, der psychologisch, soziologisch und theologisch relevant für die Religionspädagogik ist. Adoleszenz wird nicht auf eine starre Altersgrenze fixiert, sondern als dynamischer Prozess verstanden, der mit der Pubertät beginnt und sich bis ins Erwachsenenalter erstrecken kann. Die Psychoanalyse unterscheidet mehrere Phasen und betont, dass adoleszente Aufgaben durch körperliche Entwicklung, Identitätsbildung und digitale Medieneinflüsse komplexer geworden sind. Zentral ist die Spannung zwischen zwei Bedürfnispolen: Abhängigkeit und Individuation, wobei Jugendliche mit dem Verlust ihrer bisherigen Selbstdefinition und Gefühlen der Isolierung konfrontiert sind. Diese Phase ist durch sogenannte "Jugendirresein" gekennzeichnet, die als normal und unvermeidlich für die Entwicklung eines eigenen Werte- und Normensystems gilt. In dieser Instabilität sind Adoleszente besonders anfällig für sinnversprechende Angebote, autoritäre Strukturen und extremistische Gruppen, die einfache Antworten bieten. Parallel suchen sie nach Autoritäten und Orientierungsfiguren als Ersatz für idealisierte Eltern, etwa in Medien, Lehrkräften oder religiösen Führern. Ein typisches Merkmal ist die Oscillation zwischen extremer Aktivität und starkem Anlehnungsbedürfnis sowie die Regressionsbereitschaft, das Zurückweichen zu vertrauten frühen Verhaltensweisen. Bewältigungsmechanismen wie Projektion und Schwarz-Weiß-Denken prägen diese Phase. Der Artikel unterstreicht die Relevanz dieser psychoanalytischen Erkenntnisse für religionspädagogische Arbeit und die Notwendigkeit, die Vulnerabilität adoleszenter Menschen zu verstehen.