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Münchner Theologische ZeitschriftHermann-Josef Stipp

Münchner Theologische Zeitschrift,

Hermann-Josef Stipp

Die Deuteronomisten und das Exil

Veröffentlichung:1.5.2026

Zu den einflussreichsten theologischen Schulen im alttestamentlichen Israel gehörten die Deuteronomisten, die ihre Blütezeit in den Jahrzehnten vor und nach Beginn des sog. babylonischen Exils erlebten, das gemeinhin auf die Jahre 587–539 v. In ihren Schriften thematisierten die Deuteronomisten ausgiebig das Exil.

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Zu den einflussreichsten theologischen Schulen im alttestamentlichen Israel gehörten die Deuteronomisten, die ihre Blütezeit in den Jahrzehnten vor und nach Beginn des sog. babylonischen Exils erlebten, das gemeinhin auf die Jahre 587–539 v. Chr. datiert wird. In ihren Schriften thematisierten die Deuteronomisten ausgiebig das Exil. Dabei lassen sich interessante Beobachtungen anstellen, wie sich ihre theologische Wertung der Deportationen einschneidend wandelte, abhängig von den jeweiligen Interessen und vor allem von den konkreten Erfahrungen mit dem Exil. Wer sein Theologiestudium abgeschlossen hat, sollte ein paar Jahreszahlen aus der israelitischen Geschichte im Kopf haben.1 Dazu gehören 587 und 539 – die Daten, die die Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier samt der Verschleppung ins Exil (2 Kön 25,3–21) und das sog. Kyrus-Edikt (2 Chr 36,22–23; Esra 1,1–3) fixieren und die gemeinhin als die zeitlichen Grenzen der babylonischen Gefangenschaft Israels gelten. Schaut man genauer hin, muss man differenzieren, denn schon 597 gab es einen ersten Deportationsschub nach Babylonien (2 Kön 24,10–16), und als der Perserkönig Kyrus 539 den Exilanten grünes Licht zur Heimkehr gab, setzte sich nach heutigem Wissen bloß ein dünnes Rinnsal von Übersiedlern nach Juda in Marsch.2 Trotzdem: Theologen müssen das Exil zeitlich einordnen können, weil es dasjenige Ereignis der israelitischen Geschichte gewesen ist, das in Israel die theologische Reflexion wie kein anderes befeuert hat. Sehr viele Texte des Alten Testaments reagieren in der einen oder anderen Weise auf die Erfahrung des Exils, denn es war das größte Trauma, das in Israel vor der Zerstörung des zweiten Tempels seine Spuren hinterlassen hat. Das Verständnis für die Tiefe der Wunde ist in den vergangenen Jahren wieder gewachsen. Für eine Weile herrschte in der alttestamentlichen Exegese der Trend vor, die Erinnerungen an das Exil zu einem hohen Maße für Artefakte zu halten – literarische Konstrukte, die zwar nicht ohne jede reale Basis dastanden, aber von späteren Theologen im Dienste bestimmter Interessen nach Ausmaß und Wirkung extrem übersteigert wurden.3 Inzwischen haben die Archäologen das Bild zurechtgerückt. Juda schrumpfte da1 Abschiedsvorlesung am

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