Der Autor argumentiert, dass die Missbrauchskrise in der katholischen Kirche trotz einzelner Verbesserungen unter Papst Franziskus weiterhin ungelöst ist. Während es erfreulich ist, dass Jesuiten wie Hans Zollner SJ sich öffentlich zum Problem äußern können, zeigen ihre Aussagen, dass die bisherigen kirchlichen Maßnahmen nur oberflächliche Symptombekämpfung darstellen. Der Autor widerlegt die Beschwichtigungsversuche anderer kirchlicher Kreise, die das Problem als historisches Phänomen darstellen oder externe Faktoren wie die sexuelle Freizügigkeit der Laien und das Zweite Vatikanische Konzil verantwortlich machen wollen.
Der Kern des Problems liegt nach Ansicht des Autors in drei strukturellen Faktoren: Erstens in der ungleichen Machtverteilung zwischen Klerus und Laien, da Priester nur ihren Bischöfen, nicht aber ihren Gemeinden rechenschaftspflichtig sind. Zweitens im Pflichtzölibat, das viele Priester ohne ausreichende Reflexion über mögliche psychologische Folgen akzeptieren – ein Zusammenhang, den Wissenschaftler wie Anton Kolb mittlerweile eindeutig nachweisen können, den die Kirchenleitung aber weiterhin offiziell leugnet. Drittens im systematischen Ausschluss von Frauen aus kirchlichen Entscheidungsprozessen, wofür der Autor das Beispiel der Bischofssynode 2015 anführt, wo ein nicht-priesterlicher Ordensbruder mitstimmen durfte, eine Ordensschwester aber nicht.
Der Autor konstatiert, dass solange die Kirche an diesen Strukturen festhält, die sich nicht aus der Lehre Jesu ableiten lassen, eine wirkliche Lösung des Missbrauchsproblems kaum möglich sein wird.