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Wolfgang Beck

Sexueller Missbrauch – Eine Studie in der Wahrnehmung von Opfern

Veröffentlichung:1.5.2026

Matthias Katsch, Sprecher von Missbrauchsopfern, kritisiert die Bischofskonferenz-Studie als unvollständig und fordert unabhängige Untersuchungen, echte Entschädigungen im sechsstelligen Bereich und konsequente Verantwortung von Bischöfen statt bloße Prävention.

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Nach der Vorstellung einer umfassenden Studie der Deutschen Bischofskonferenz zum sexuellen Missbrauch durch Kleriker äußert sich Matthias Katsch, ein prominenter Vertreter von Opfergruppen und ehemaliger Schüler des Berliner Canisiuskollegs, kritisch zu deren Aussagekraft und den bisherigen kirchlichen Reaktionen. Er bescheinigt der Studie zwar umfangreiches Detailmaterial, konstatiert aber, dass sie nur einen sehr kleinen Teil der tatsächlichen Missbrauchsrealität abbildet und die Opferzahlen um Dimensionen zu niedrig sind. Überraschend erscheint ihm der hohe Anteil weiblicher Opfer im Vergleich zu anderen Studien. Katsch diagnostiziert bei der Kirchenleitung minimale Lernfortschritte: Die interne Kultur ändere sich extrem langsam, Betroffene würden intransparent behandelt und nicht als gleichberechtigte Gesprächspartner ernst genommen. Während die öffentliche Tonlage sich gewandelt habe und die Kirche als Institution Mitverantwortung anerkenne, fehle es an Mut für echte Konsequenzen. Die zentralen Forderungen der Opfer umfassen eine unabhängige Untersuchungskommission nach dem Vorbild Australiens oder Pennsylvanias sowie echte Entschädigungen statt symbolische Zahlungen: Statt der bisherigen durchschnittlich 3000 Euro fordert Katsch sechsstellige Entschädigungen, die den umfassenden Schaden für Biografien, Berufsleben, Beziehungen und Gesundheit adäquat berücksichtigen. Besonders kritisch bewertet Katsch die fehlende persönliche Verantwortung von Bischöfen und Vorgesetzten, obwohl viele Fälle aufgearbeitet wurden. Der zentrale Schlüssel zur Verbesserung liege in der Überwindung des Klerikalismus und der Etablierung von Transparenz, um die vom Papst beklagte „Kultur des Missbrauchs und des Vertuschens" zu durchbrechen. Solange Verantwortliche der Institutionenerhaltung Priorität vor Opferunterstützung geben und Schweigen stärker honoriert wird als offene Aufarbeitung, können Präventionsmaßnahmen keine nachhaltige Wirkung entfalten.

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