Ana Honnacker beschreibt ein Phänomen kognitiver Dissonanz, das in Krisensituationen wie der Corona-Pandemie und der Klimakrise auftritt: Trotz verfügbaren Wissens über die Gefährlichkeit dieser Phänomene gelingt es vielen Menschen nicht, diese als wirklich zu akzeptieren. Diese Form des Unglaubens ist keine individuelle Schwäche, sondern ein psychologischer Schutzmechanismus zur Bewältigung von Kontingenz. Sie äußert sich in Verdrängung, Leugnung und der Verbreitung von Verschwörungserzählungen, die das Gefühl geben, die Realität sei anders, als sie erscheint.
Besonders bei der Klimakrise zeigt sich ein massenhaftes Phänomen der Realitätsverweigerung: Nicht nur explizite Klimaleugner, sondern die große Mehrheit betreibt unbewusst eine Form der Klimanegation. Dies geschieht aus verständlichen Gründen – die bekannten Szenarien wirken apokalyptisch und überfordern die menschliche Vorstellungskraft. Zusätzlich wird diese Verleugnung von zwei Seiten genährt: erstens durch die Natur des Phänomens selbst (die Erderwärmung ist ein schleichender, räumlich und zeitlich fragmentierter Prozess, der der menschlichen Wahrnehmung entzogen ist) und zweitens durch unsere eigene Position als Verursacher, Verantwortliche und Betroffene.
Die psychische Notwendigkeit dieser Verdrängungsmechanismen ist verständlich, doch erweist sich diese Strategie als kontraproduktiv. Sie bietet nur kurzfristige emotionale Entlastung und verhindert gleichzeitig, dass wirksame Lösungsansätze entwickelt und umgesetzt werden können. Die fehlende Übersetzung von theoretischem Wissen in Handlung führt zu einer Denk- und Handlungsblockade, die eine angemessene Bewältigung dieser globalen Krisen unmöglich macht.