Anti-Genderismus ist eine strategisch durchdachte rechtsintellektuelle Agitation, die die wissenschaftliche Kategorie „Gender" bewusst irreführend als Containerbegriff missbraucht. Unter diesem werden disparate Themenfelder wie Geschlechtergerechtigkeit, sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität subsummiert, um einer heterogenen Gruppe von Engagierten eine konzertierte Verschwörung zur Errichtung einer „totalitären Neuen Weltordnung" zu unterstellen. Dies dient der „Selbstverharmlosung" extremer rechter Positionen und dem „Abbau emotionaler Barrieren" in der demokratisch gesinnten Bevölkerung.
Qualitative Medienanalysen zeigen, dass der Anti-Gender-Aktivismus nahezu alle Symptome des Syndroms Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit bedient: klassischen Sexismus, Antifeminismus, Frauenverachtung sowie Ressentiments gegen LGBTQ+-Personen. Besonders betroffen sind Menschen, die sich für Geschlechtergerechtigkeit einsetzen oder binären Geschlechtsidentitäten nicht entsprechen, da diese hegemoniale Männlichkeit und patriarchale Strukturen unterminieren. Auch rassistische und antimuslimische Stereotype werden mit Anti-Gender-Aktivismus verwoben, ebenso wie antisemitische Verschwörungsmuster und relativierende Vergleiche zur Shoah.
Der Anti-Gender-Aktivismus richtet sich pauschal gegen Anti-Diskriminierungsgesetzgebung und gefährdet damit auch die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Dadurch wird die menschenrechtsbasierte Ordnung der Demokratie selbst infrage gestellt.