Eine internationale Tagung an der Universität Koblenz-Landau untersuchte das ambivalente Verhältnis von Religion zu gesellschaftlichen Transformationen unter den Bedingungen des Ukraine-Krieges und wachsender Demokratiebedrohungen in Europa. Die Konferenz beleuchtete mehrere zentrale Problembereiche: In der Sektion zu Gesellschaft, Nation und Ethnizität wurde offengelegt, wie die europäische Vision von Menschenrechten und Demokratie fundamental angefragt ist. Referent:innen analysierten manipulative Strategien der „Neuen Rechten", die religiöse Kreise instrumentalisieren, sowie die kulturelle Konstruktion von Rassismus zur Legitimation von Aggression und Privilegien. Die Perspektive weitete sich auf globale Kontexte: afro-amerikanische Predigten bei Bestattungen rassistischer Opfer wurden als Widerstandspraxis interpretiert, während christlich-nationalistische Politik in Brasilien unter Bolsonaro gegenüber Menschen mit Behinderung kritisch analysiert wurde.
Die Sektion zur Theologie angesichts der Klimakrise verband soziale mit ökologischer Gerechtigkeit. Theologische Perspektiven wurden neu verhandelt: Während einige Beiträge Askese als radikale Solidarität mit allen Mitgeschöpfen entfalteten, reinterpretierte Catherine Keller Apokalypse nicht als bloße Endzeit, sondern als „Enthüllung" der verbleibenden Zeit für transformatives Handeln. Zentral war die Forderung nach einem Perspektivwechsel zu multispeziessensitiver Schöpfungstheologie, die den Anthropozentrismus kritisch hinterfragt und den Raum als theologische Kategorie stärker berücksichtigt.