Die vierte Versammlung des Synodalen Weges im September 2022 wurde durch eine kontroverse Abstimmung zum Grundtext über Sexualethik geprägt. Obwohl der Text von 82% der Synodalversammlung angenommen wurde, scheiterte er knapp an der notwendigen Zweidrittelmehrheit der Bischöfe. Die Krise verschärfte sich durch den Vorwurf „heimlicher Blockierungen": Kritiker des Textes hatten ihre ablehnende Haltung im Vorfeld nicht offengelegt. Dies löste massive Emotionen aus, insbesondere bei queeren Kirchenmitgliedern und engagierten Laien, die sich nicht nur in ihrer Position, sondern in ihrer Person abgelehnt fühlten. Selbst reformwillige Bischöfe wie Helmut Dieser und Heiner Koch waren schockiert vom Ergebnis, da sie sich für eine Neubewertung der Sexualmoral einsetzen.
Die Krise offenbarte strukturelle Spannungen im Synodalen Weg: Während eine deutliche Mehrheit ein aggiornamento gemäß Evangelium und Zeit fordert, beharrt eine kleine, aber gut vernetzte Minderheit auf dogmatischer Orthodoxie. Alle vier Themenbereiche des Synodalen Weges sind ähnlich umstritten und drehen sich zentral um die anthropologische Frage des Geschlechterverhältnisses. Dennoch wäre eine Überreaktion auf die Krise unangemessen, denn bereits drei grundlegende theologische Texte wurden verabschiedet, und ein Synodaler Rat wurde gegründet, der Synodalität dauerhaft sichert. Dies ermöglicht die Weiterarbeit über die letzte Versammlung im März 2023 hinaus.