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Hedwig Dohm – eine Vordenkerin wiederentdeckt

Veröffentlichung:1.5.2026

Hedwig Dohm, eine Berliner Intellektuelle des 19. Jahrhunderts, entwickelte bereits vor über 100 Jahren Argumente gegen Geschlechterdiskriminierung und religiöse Heuchelei, die in modernen Gerechtigkeitsdiskursen immer noch relevant sind.

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Hedwig Dohm (1831–1919) war eine Berliner Schriftstellerin und Publizistin, deren Werk sich mit Fragen von Geschlechtergerechtigkeit, Bildungszugang und christlicher Ethik auseinandersetzte. Geprägt durch ihre eigene Erfahrung – als Tochter durfte sie trotz guter schulischer Leistungen nicht weiterlernen, während ihre Brüder zum Studium gezwungen wurden – entwickelte sie eine scharfsinnige Kritik an den Naturalisierungsargumenten ihrer Zeit. Sie erkannte, dass vermeintlich biologisch determinierte weibliche Charakterzüge tatsächlich Produkte von Bildungsmangel waren, und argumentierte damit unbewusst im Sinne der späteren Gender-Studies-Unterscheidung zwischen sex und gender. Dohms intellektuelle Stärke lag in ihrer pointierten Polemik gegen gesellschaftliche Heuchelei. Sie hinterfragte, warum christliche Theologen nicht gegen die Ausbeutung von Arbeiterinnen protestierten, und kritisierte im Ersten Weltkrieg die Verkehrung christlicher Gebote in ihr Gegenteil. Besonders innovativ war ihre Dekonstruktion des Mutterschaftsmythos: Sie argumentierte, dass die idealisierte „Mutterliebe" eine künstliche Konstruktion sei und dass Frauen das Recht haben müssten, Beruf und Mutterschaft zu vereinbaren. Diese Einsicht – dass Frauen nicht nur Mütter sind – behielt ihre Dringlichkeit bis heute, wie die Coronapandemie zeigte, die überproportional Frauen in Care-Arbeit zurückwarf.

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