Der Autor beschreibt einen persönlichen Irritationsmoment, der sich ergibt, wenn er sich zwischen kirchlichen und nicht-kirchlichen sozialen Räumen bewegt. Nach einem gemeinsamen Workout wird er nach seinem Ziel gefragt – einer Tagung zum Jubiläum des Konzils von Nizäa – und versucht, das historische Ereignis und seine theologische Bedeutung zu erklären. Diese Erklärung stößt auf Unverständnis und macht ihm bewusst, wie fremd kirchliche Themen in der Mehrheitsgesellschaft geworden sind. Von diesem Irritationsmoment aus entfaltet der Autor eine kritische Reflexion über die Bruchstellen der nizänischen Christologie.
Zunächst rekonstruiert er die dogmatische Lehre: Das Konzil von Nizäa habe mit dem Begriff der „Wesensgleichheit" (homoousios) ausdrücken wollen, dass Gott selbst in Jesus Mensch wird und damit auch berührbar, nahbar wird. Dies sei die Grundlage für das Erlösungsvertrauen: Echte Erlösung sei nur denkbar, wenn die Trennung zwischen Gott und Mensch in Jesus Christus überwunden werde. Doch der Autor stellt diese Gedankenkette in Frage. Er zeigt mehrere Bruchstellen auf: Während das Konzept von Erlösung allgemein nachvollziehbar sei, sei unklar, warum es einer Menschwerdung Gottes bedarf. Die historische Bilanz – dass die Welt nicht besser geworden ist, dass die Kirchen nicht erlöst erscheinen – spreche gegen den steilen christologischen Anspruch. Zudem hebe die Behauptung einer exklusiv christlichen „echten" oder „vollen" Erlösung Nicht-Christen faktisch aus der Möglichkeit echter Erlösung aus. Der Autor fragt provokativ, womit sich Christen berechtigt sehen könnten, solch einen Anspruch zu erheben, und bezweifelt, dass die dogmatische Wesensgleichheit notwendig ist, um an Gottes Anteilnahme am menschlichen Schicksal zu vertrauen.