Eine Konferenz an der Universität Regensburg zum Thema „Behind the Veil" hat sich mit den verborgenen Mustern von sexuellem und spirituellem Missbrauch an erwachsenen Frauen in der katholischen Kirche auseinandergesetzt. Das Konzept der „hidden patterns" steht im Zentrum: Diese bezeichnen tief verwurzelte Ordnungen des Wissens, die bestimmen, wer sprechen kann, wem geglaubt wird und welches Wissen in Diskursen berücksichtigt wird. Ein zentrales Ziel war die Dekonstruktion problematischer Narrative – etwa die falsche Annahme, Missbrauch sei primär ein Problem des globalen Südens, oder die Vorstellung, erwachsene Frauen könnten einfach „Nein" sagen.
Der internationale Austausch zeigte, dass Missbrauch in Ordensgemeinschaften weltweit verbreitet ist, getrieben durch kulturübergreifende strukturelle und theologische Bedingungen wie die Evangelischen Räte. Kulturelle Unterschiede manifestieren sich in Tatanbahnung, Vertuschungsstrategien und Schweigezwängen. Hildegund Keuls analytische Konzepte – Vulnerabilität (grundsätzliche Verletzbarkeit), Vulneranz (Verletzungsmacht) und Resilienz – helfen, Missbrauchsdynamiken zu erfassen. Strukturelle Faktoren wie finanzielle Abhängigkeit, soziale Isolation und Sexualitätstabuisierung verstärken die Vulnerabilität, während überhöhte Priesterbilder und spiritualisierte Machtpositionen die Vulneranz von Tätern erhöhen. Untererforscht bleibt die Täterschaft von Frauen sowie die Rolle kolonialer Kontinuitäten, besonders in Lateinamerika, wo eurozentrisch-klerikale Strukturen bis heute wirken. Zukünftige Forschung muss sich intensiver verschiedenen Phasen des Ordenslebens widmen, besonders Formation und Ausbildung als hochvulnerablen Phasen sowie älteren Ordensfrauen.