Der Artikel würdigt das Konzilsdokument „Nostra aetate" (NA) als Wendepunkt in der kirchlichen Haltung gegenüber anderen Religionen und der Menschheit insgesamt. Papst Leo XIV. betont dabei, dass Dialog nicht Taktik oder Kompromiss ist, sondern eine transformative Lebensweise, die in den eigenen Glaubensüberzeugungen verankert bleibt. Das Dokument verstehe die Menschheit als Familie Gottes, die von Gottes universalem Heilswillen geleitet wird – eine Vision, die zur Ablehnung aller Formen von Rassismus und Antisemitismus verpflichtet.
Der Autor stellt jedoch die Frage, ob das Konzil die Selbstgefährdung der Menschheit durch Atomwaffen und heutige existenzielle Bedrohungen ausreichend berücksichtigte. Die dialogische Lebensweise sollte auch alle Lebewesen und die Natur einbeziehen, wie Papst Franziskus durch „Laudato sì" konkretisiert hat. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem vierten Kapitel von NA über das Judentum, das der Autor als Herzstück des gesamten Dokuments würdigt. Es markiert einen theologischen Bruch mit dem traditionellen Antijudaismus und betont die bleibenden geistlichen Wurzeln des Christentums im Judentum.
Während NA auch anderen Religionen mit Hochachtung begegnet – insbesondere dem Islam durch die Anerkennung, dass Muslime von Gott angesprochen werden – bleibt eine theologische Würdigung des Qurans und des Propheten bis heute aus. Der Artikel endet mit der dringlichen Frage, wie die Haltung der Wertschätzung heute gelebt werden kann angesichts des neu aufgebrochenen Antisemitismus und des israelisch-palästinensischen Konflikts – eine Herausforderung für eine christliche Theologie der Religionen, die sich ihrer Wurzeln im Ölbaum Israel bewusst bleiben muss.