Der Artikel argumentiert, dass religiöse Räume, insbesondere Teile des Katholizismus, eine Abwehrhaltung gegenüber persönlicher Freiheit und pluralistischem Zusammenleben zeigen, die durch tiefsitzende Angst vor Un-Ordnung motiviert ist. Diese Angst führt zu einer Verabsolutierung unveränderlicher Ordnungskonzepte, die unter Berufung auf „Wahrheit" und „Natur"-Gemäßheit durch das kirchliche Lehramt gestützt werden. Die zentrale These besagt, dass der Katholizismus nicht wegen seiner Ordnungskategorien an sich für rechte Denkmuster anfällig wird, sondern weil diese ohne Vermittlung mit Historizität, Kontextualität und Entwicklungsoffenheit vertreten werden. Ein Mangel an kontingenzbewusstem, selbstkritischem Umgang mit überlieferten theologischen Modellen macht den Katholizismus sowohl anfällig als auch attraktiv für autoritäres, ausgrenzendes und rückwärtsgewandtes Denken.
Der Autor erprobt diese These am Beispiel der Religions- und Gewissensfreiheit. Er zeigt, wie Kardinal Brandmüller die Konzilserklärungen „Dignitatis humanae" und „Nostra aetate" als „überholt" relativiert, obwohl diese epochal neue Positionen formulieren und in konstitutiven Konzilslehren gründen. Diese Abwertung als bloße Zeitbedingtheit verkennt, dass der Entdeckungszusammenhang theologischer Einsichten selbst bedeutungsvoll ist und dass Lehrentwicklung eine legitime Quelle kirchlicher Tradition darstellt. Die traditionalistische Denkform bleibt damit gerade nicht traditionsbewusst, sondern blockiert die notwendige Vermittlung grundlegender Lehrpositionen mit den Herausforderungen der Zeit.