Der Text entwickelt ein essayistisch-theopoetisches Verständnis von Theopoesie als Ausdrucksform, die das Göttliche nicht durch rationale Logik, sondern durch lyrische und sinnliche Erfahrung vermittelbar macht. Der Autor folgt dabei der theologischen Spur Dorothee Sölles, die akademische Theologie bewusst um poetische und mystische Dimensionen überschritten hat. Theopoesie funktioniert nicht durch Erklärung und Eindeutigkeit, sondern durch einen Raum „zwischen den Worten", in dem Verbindung, Gemeinschaft und das Wahrnehmen von Schönheit, Schmerz und göttlicher Präsenz möglich wird. Die Bäume dienen hier als zentrale Metapher und konkrete Erfahrungsräume – sie werden zu Lehrer*innen, die nicht belehren, sondern durch stilles Sein, Wachsen und Verwobenheit in Netzwerken des Lebens das Göttliche erfahrbar machen.
Der Text verbindet diese theopoetische Perspektive feministisch mit einer Kritik patriarchaler Dominanzkultur, die das „Andere" – Frauen, Natur, Geflüchtete, Queere, Erniedrigte – verdrängt und unsichtbar gemacht hat. Theopoesie wird als Sprache verstanden, die gerade diese marginalisierten Dimensionen des Lebens wieder zum Sprechen bringt und damit eine göttliche Dimension sichtbar macht, die nicht überirdisch und väterlich, sondern immanent in allen Wesenheiten und ihren Verflechtungen gegenwärtig ist. Der Autor schreibt dabei bewusst unter Bäumen statt am akademischen Schreibtisch, um die körperliche und sinnliche Verwobenheit mit dem Leben – über Wurzeln, Pilze und Bakterien – als spirituelle Wahrheit zu erfahren und auszudrücken.