Didaktisch ist das Medium besonders geeignet, um Wundergeschichten nicht auf die Frage nach ihrer historischen oder naturwissenschaftlichen Erklärbarkeit zu reduzieren. Die Autoren empfehlen vielmehr, zunächst ihre Verzweiflungsdimension und Hoffnungsdimension sowie ihre Bedeutung für die Lebenswirklichkeit der Lernenden zu erschließen. Erst in einem weiteren Schritt können historische und kritische Fragestellungen hinzukommen. Für den Unterricht bedeutet dies, dass nicht zwingend mit einer Definition des Begriffs Wunder begonnen werden sollte. Ein geeigneterer Ausgangspunkt können Erfahrungen menschlicher Begrenztheit sein. Lernende kennen Situationen von Angst, Ohnmacht, Einsamkeit, Ausgrenzung, Scheitern oder dem Gefühl, einer Herausforderung nicht gewachsen zu sein. Daran kann die Frage anschließen, was Menschen Hoffnung gibt und wodurch scheinbar unüberwindbare Grenzen überwunden werden können. Das Medium weist ausdrücklich darauf hin, dass Wundergeschichten als Hoffnungsgeschichten verstanden werden können, die neue Möglichkeiten angesichts einer als begrenzt erfahrenen Wirklichkeit eröffnen. Alternativ kann der Unterricht mit unterschiedlichen Aussagen zum Begriff Wunder beginnen. Die Lernenden positionieren sich zu verschiedenen Definitionen und begründen Zustimmung oder Ablehnung. Ebenso kann eine Sammlung alltäglicher Verwendungen des Wortes Wunder entstehen. Auf diese Weise wird sichtbar, dass der Begriff sehr unterschiedliche Bedeutungen besitzt. Das Medium nennt hierzu auch einen Podcast oder eine Collage mit eigenen Formulierungen und Zeitungsausschnitten als mögliche Einstiege. Besonders ergiebig ist ein Zugang über die Personen und Situationen einer konkreten Wundergeschichte. Bei der Stillung des Seesturms können die Lernenden beispielsweise zunächst durch eine Meditation die bedrohliche Dimension von Wasser und Sturm wahrnehmen. Anschließend können sie bildnerisch oder sprachlich Formulierungen wie „Das Wasser steht mir bis zum Hals“ oder „Ich habe den Halt verloren“ erschließen. Nach der Beschäftigung mit der biblischen Erzählung kann die Perspektive durch Aussagen wie „Der Sturm hat sich gelegt“ oder „Ich bekam wieder festen Boden unter die Füße“ verändert werden. Dadurch werden die Symbolsprache des Textes und seine Hoffnungsperspektive erfahrbar, ohne persönliche Krisenerfahrungen der Lernenden vorauszusetzen oder einzufordern. Einen weiteren Zugang bieten die Psalmverse des Materials. Sie bringen Einsamkeit, Angst, Bedrängnis, Erschöpfung und Verzweiflung zur Sprache und können zunächst unabhängig von einer Wundergeschichte untersucht werden. Die Lernenden analysieren die darin ausgedrückten Gefühle, entwickeln mögliche Situationen und können einzelne Verse kreativ fortschreiben. Für Heilungsgeschichten bietet das Medium außerdem körperorientierte Methoden an. Bei der Geschichte von der gekrümmten Frau kann etwa die Bedeutung von gebeugt sein und aufrecht sein erschlossen werden. Dabei sollte die Lehrperson sensibel mit körperlichen Voraussetzungen umgehen und alternative Beobachtungsaufgaben ermöglichen. Entscheidend ist nicht das Nachstellen einer Erkrankung, sondern das Verstehen der symbolischen Bedeutung von Belastung, eingeschränkter Wahrnehmung und Aufrichtung. Die Bilddarstellung der gekrümmten Frau auf Seite 6 unterstützt diesen Zugang, da Körperhaltung, Gesten und die Zuwendung Jesu besonders deutlich hervortreten. Auch das Bild „Blindenheilung“ von Thomas Zacharias kann schrittweise erschlossen werden. Das Medium schlägt vor, zunächst die dunkle Bildhälfte mit dem Blinden und erst anschließend die helle Seite mit Jesus zu betrachten. Körperhaltung, Gestik und Farbgebung ermöglichen es, Veränderungen zwischen Belastung, Aufrichtung und neuer Orientierung wahrzunehmen. Besonders handlungsorientiert ist das szenische Spiel zum Seewandel nach Mt 14,22 bis 33. Lernende übernehmen nicht nur Personenrollen, sondern können auch Wasser, Wind, Wellen, Boot, Nacht, Angst oder Glaube darstellen. Das Material betont dabei ausdrücklich die Freiwilligkeit. Wer keine Rolle übernehmen möchte, kann als Beobachtender am Unterrichtsgeschehen teilnehmen. Nach dem Spiel ist eine ausführliche Reflexion entscheidend. Die Lernenden untersuchen, wodurch Angst entsteht, wie sie überwunden wird und welche neuen Einsichten über die Erzählung durch das Spiel gewonnen wurden. Das Arbeitsmaterial auf Seite 10 schlägt darüber hinaus Transferfragen vor, die nach dem eigenen Boot, nach Gegenwind, Abgründen und Erfahrungen einer ausgestreckten Hand fragen. Solche persönlichen Übertragungen sollten als freiwilliges Deutungsangebot gestaltet werden. Schließlich eignet sich kreatives Schreiben dazu, die Perspektive biblischer Figuren zu erschließen. Das Material verändert beispielsweise bewusst einzelne Elemente der Erzählung von der gekrümmten Frau und fordert dazu auf, Gespräche, Reaktionen und mögliche Fortsetzungen zu entwickeln. Insgesamt ermöglicht das Medium einen ganzheitlichen Religionsunterricht, in dem biblische Wundergeschichten nicht als Berichte über spektakuläre Ereignisse behandelt werden, sondern als Glaubensgeschichten, die von Not und Hoffnung, Begrenzung und Befreiung, Angst und Vertrauen sowie von der heilbringenden Begegnung mit Jesus erzählen.
Dieses Sinnangebot kann die Kinder in einer veränderten Selbstwahrnehmung, aber auch zu einer neuen Weltdeutung bestärken. Dazu werden Wunderdefinitionen erarbeitet und entweder selbst erzeug oder als Zitate diskutiert und erschlossen. Da der Themenbereich stark auf Sinnenerfahrung bezogen ist sind gestalterische Methoden, Körperübungen, szenische Übungen, szenisches Spiel, kreatives Schreiben/Verfremden oder die Arbeit an Bildern zielführend. Dabei wird geübt im Kontakt mit Wundererzählungen die eigene Wahrnehmung zu erweitern. Die dazu notwendigen Schritte und Settings werden mit Bibelstellen, Bildern und methodischen Hinweisen ausführlich beschrieben. Je nachdem welche Methoden eine Lerngruppe umsetzen kann ist hier ein reichhaltiges Angebot verfügbar.