Ehrenamt ist weit mehr als nur freiwillige Hilfe – es ist ein zentraler Lernort für religiöse Bildung und persönliche Entwicklung. Der Beitrag richtet den Blick auf diese oft übersehene Dimension: Wie und was lernen Menschen, die sich freiwillig in kirchlichen Kontexten engagieren? Die empirischen Befunde sind beeindruckend: Zwischen einem Drittel und drei Vierteln der Ehrenamtlichen berichten von signifikantem Kompetenzerwerb – sei es in sozialen Fähigkeiten wie Teamfähigkeit, persönlichen Kompetenzen wie Selbstständigkeit oder Fachkenntnissen. Besonders bei jungen Menschen zeigen sich nachhaltige Effekte, die bis ins Erwachsenenalter hineinwirken. Doch auch ältere Engagierte profitieren: Sie erleben Selbstwirksamkeit, sammeln Sinnerfahrungen und bauen soziale Netzwerke auf. Der Artikel problematisiert zunächst die Definition von Ehrenamt selbst – eine Frage, die in Kirchen und Forschung überraschend umstritten ist. Dann werden zentrale Erkenntnisse zum Lernertrag vorgestellt, unter anderem dass Engagement die Entwicklung von Vertrauen, Offenheit und Toleranz fördert. Abschließend wird die religionspädagogische Herausforderung skizziert: Wie können Kirchen Lernräume gestalten, in denen Menschen selbstbestimmt und subjektorientiert das lernen, was ihnen für ihren Glauben und ihr Leben wichtig ist? Der Beitrag verbindet dabei empirische Forschung mit theologischer Reflexion und zeigt Ehrenamt als Querschnittsthema, das Menschen in fast jedem Lebensalter erreicht.