Die digitale Wissenschaftskommunikation hat die Religionspädagogik längst erfasst: Forschungsteams nutzen Instagram und Facebook, wissenschaftliche Gesellschaften versenden Newsletter, Projekthomepages und Lernplattformen prägen den Alltag. Doch dieser Artikel argumentiert, dass die bisherige Bestandsaufnahme nur die Spitze des Eisbergs erfasst. Im Kontext von Postdigitalität – also einer Realität, in der Digitalität alle Bereiche durchdringt, ohne explizit thematisiert zu werden – braucht es eine tiefergehende Reflexion.
Der Beitrag verhandelt drei zentrale Spannungsfelder: Erstens die Frage nach dem theologischen Selbstverständnis zwischen hermeneutischer Deutungspraxis und datenbasierter Wissenschaft. Die Theologie versteht sich traditionell als Interpretationswissenschaft, doch die digitale Infrastruktur, die sie nutzt, macht sie de facto auch zu einer Datenverarbeitungsdisziplin. Diese Erkenntnis zwingt das Fach, seine technischen Strukturen und Medien sichtbar zu machen.
Zweitens dokumentiert der Artikel grundlegende Veränderungsprozesse in Forschung und Lehre der Religionspädagogik. Die digitale Generierung von Daten, ihre Distribution und Bewertung sind längst in die wissenschaftliche Praxis eingelassen. Ohne digitale Infrastruktur, Apps und Endgeräte sind Forschung und Lehre kaum noch denkbar.
Drittens fordert der Artikel eine postdigitale Ethik ein. Der Deutsche Ethikrat weist darauf hin, dass bei der automatischen Datenverarbeitung ethische Überlegungen mehr Beachtung finden müssen – ein Desiderat, das bislang in der Religionspädagogik unterrepräsentiert ist. Schließlich plädiert der Text für ein Weißbuch mit konkreten Leitlinien zur digitalen Wissenschaftskommunikation und für die verstärkte Erforschung von Digital-Humanities-Projekten im Fach. Die Gesellschaft für wissenschaftliche Religionspädagogik wird aufgefordert, digitale Vernetzung strategisch auszubauen.