Der Artikel behandelt ein zentrales Desiderat der Religionspädagogik: die fehlende didaktische Konkretisierung von Übersetzungsprozessen religiöser Sprache im Unterricht. Während auf makrotheoretischer Ebene zahlreiche Ansätze zur Übersetzung religiöser Sprache existieren und auf der Mikroebene einzelne Methoden zur Verfügung stehen, fehlt es an einem ausgereiften unterrichtspraktischen Lehr-Lern-Arrangement für die Mesoebene – ein Arrangement, das Schüler:innen sensibilisiert für die Besonderheiten religiöser Sprache und für die Möglichkeiten sowie Grenzen ihrer Übersetzung.
Der Autor nähert sich diesem Problem aus einer doppelten Perspektive: theologisch-translatologisch und religionspädagogisch-didaktisch. Ausgangspunkt ist eine lebhafte Unterrichtsdiskussion über Jürgen Habermas' These, dass intralinguale Übersetzungen zwischen religiöser und säkularer Sprache (etwa die Übertragung von „Gottebenbildlichkeit" in „Einforderung von Grundrechten") Voraussetzung für gesellschaftlichen Frieden sind. Diese Diskussion wirft die grundlegende Frage auf: Inwiefern lassen sich Wörter und Konzepte, die im Glauben an Gottes Existenz wurzeln, überhaupt angemessen in säkulare oder andere religiöse Sprachen übersetzen?
Theoretisch wird argumentiert, dass „als religiös verstandene Sprache" – ein Begriff, der sowohl sachbezogene Sprache religiöser Traditionen als auch subjektbezogene „Sprache für Religiöses" fasst – einem Paradoxon unterliegt: Vollständige Übersetzungen würden das Original überflüssig machen und religiöse Wörter ihrer Qualität berauben. Zugleich unterliegt religiöse Sprache einer ständigen Veränderungsdynamik. Die Lösung liegt darin, Übersetzungsprodukte nicht als abgeschlossen, sondern als regenerierend zu verstehen – sie bringen die „unabschließbare Unübersetzbarkeit des Originals" immer neu in Geltung.
Auf schulischer Seite beobachtet der Autor einen gravierenden Bruch: Schüler:innen fehlt zunehmend der Zugang zur Sprache christlicher Traditionen. Sie erleben diese als fremd, mit unbekanntem Wortschatz, ungeläufiger Syntax und rätselhaften Metaphern. Der Artikel kategorisiert Kommunikationsstörungen im Religionsunterricht in sechs Typen – von ganz unbekannten Wörtern über semantische Verschiebungen bis hin zu Wörtern, deren Bedeutung nur fragmentarisch bekannt ist. Hier setzt der didaktische Anspruch an: Ein strukturiertes Arrangement soll Lernende befähigen, religiöse Sprache sachlich zu verstehen und gleichzeitig ihre eigene Verstehensweise zu reflektieren.