Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat sich in einem 2020 veröffentlichten Grundlagentext erstmals systematisch der Frage gewidmet, wie religiöse Bildung mit Schülerinnen und Schülern ohne formale Bindung an eine Religionsgemeinschaft gestaltet werden kann – eine Frage, die angesichts wachsender Konfessionslosigkeit zu den zentralen Herausforderungen der Religionspädagogik geworden ist. Der vorliegende Artikel analysiert dieses Papier und zeigt auf, dass drei unterschiedliche didaktische Paradigmen in die EKD-Position eingeflossen sind: ein theologisches, das auf die Kommunikation des Evangeliums zielt; ein religionshermeneutisches, das implizite religiöse Dimensionen in alltäglichen Erfahrungen entdecken möchte; und ein alteritätstheoretisches, das wechselseitige Perspektivwechsel zwischen religiösen und nichtreligiösen Weltdeutungen anstrebt. Der Text hebt hervor, dass das EKD-Papier konsequent die globale Dimension religiöser Phänomene berücksichtigt und dabei aufzeigt, wie Konfessionslose durch Migration, Medien und persönliche Begegnungen unmittelbar mit weltweiten religiösen Dynamiken konfrontiert werden. Als besonders geeigneten Anlass zur Vertiefung dieser Aufgaben identifiziert der Artikel die Corona-Pandemie. Sie macht deutlich, wie religiöse und ethische Fragen mit existenziellen Herausforderungen verwoben sind, ohne dass deren religiöse Implikationen konfessionslosen Schülerinnen und Schülern unmittelbar einleuchten müssten. Damit eröffnet sich für den Religionsunterricht die Chance, seine klassische Rolle als Lebensbegleitung und Teil der Allgemeinbildung zu erfüllen – ohne dabei in missionarische Ambitionen zu verfallen. Der Artikel argumentiert, dass gerade in Krisenzeiten religiöse Bildung als wichtige Ressource für den gesellschaftlichen und individuellen Umgang mit Unsicherheit und Umbruch fungiert, wie die Schulgeschichte seit 1919 wiederholt gezeigt hat.