Der Beitrag befasst sich mit der Frage, wie sich die religionsdidaktische Forschung zu Religionslehrpersonen als eigenständiges wissenschaftliches Forschungsformat etablieren kann. Dabei wird ein Ansatz verfolgt, der sich an der fachdidaktischen Emanzipationsbewegung orientiert: Wie andere Fachdidaktiken bemüht sich auch die Religionsdidaktik um eine stärkere Profilierung gegenüber ihren Bezugsdisziplinen Fachtheologie und Bildungswissenschaft.
Der Autor rekonstruiert zunächst den bildungswissenschaftlichen Professionalitätsdiskurs, der aus dem soziologischen Professionsdiskurs hervorgegangen ist, sich von diesem aber unterscheidet. Während klassische Professionstheorien Professionen anhand von Merkmalen wie fachlicher Expertise und akademischer Ausbildung beschreiben, konzentrieren sich neuere Ansätze auf die Qualität professionellen Handelns selbst. Kernperspektive ist dabei: Professionelles Handeln ist grundsätzlich unsicher und riskant, weil es für komplexe Einzelfälle situationsgerechte Lösungen suchen muss, für die keine standardisierten Verfahren vorliegen.
Im pädagogischen Kontext unterscheidet der Diskurs drei Hauptströmungen: strukturtheoretische, kompetenzorientierte und berufsbiografische Ansätze. Der strukturtheoretische Ansatz (Oevermann) beschreibt professionelles Handeln als stellvertretende Krisenbewältigung, die Fallrekonstruktion, Klientenbezug und das Dilemma von Entscheidungsübernahme ohne Autonomieeinschränkung vereint. Für Lehrpersonen stellt sich Professionalität dabei besonders als Fähigkeit dar, charakteristische Antinomien des Schulalltags – wie Nähe und Distanz, Autonomie und Heteronomie, Individualförderung und Gleichbehandlung – reflexiv und produktiv zu bewältigen. Ein professioneller Habitus bildet sich durch selbstreflexive Praxis aus.
Der Artikel legt damit den Grund dafür, wie religionsdidaktische Professionsforschung diese theoretischen Perspektiven nutzen kann, um ihr eigenes Profil zu schärfen und spezifische Anforderungen des Religionsunterrichts zu analysieren.