Einschulungsgottesdienste gehören zu den beliebtesten Angeboten des religiösen Schullebens in Deutschland. Sie begleiten Kinder und Familien bei einem der wichtigsten Übergänge in der Bildungsbiografie – dem Eintritt in die Grundschule. Der vorliegende Beitrag erschließt dieses Phänomen aus zwei komplementären Perspektiven: Aus theologischer Sicht lassen sich Einschulungsgottesdienste als „neue Kasualien" verstehen, die persönliches Leben und Evangelium an biografisch bedeutsamen Schwellensituationen verbinden; aus erziehungswissenschaftlicher Sicht fungieren sie als rituelle Elemente der Transition, die Kinder und Familien in ihrem Statuswechsel begleiten und unterstützen.
Der Beitrag präsentiert Ergebnisse aus zwei empirischen Studien (2012 und 2014), die Perspektiven von Verantwortlichen auf dieses schulische Angebot systematisch erfassen. Die Untersuchungen offenbaren dabei eine zentrale Spannung: Während es unter den Befragten breiten Konsens gibt, dass die rituelle Begleitung von Schulanfänger*innen an dieser bedeutsamen Schwelle wichtig und wertvoll ist, zeigen sich bei der praktischen Umsetzung erhebliche Herausforderungen. Besonders deutlich wird dies beim Umgang mit religiöser und weltanschaulicher Pluralität: Einschulungsgottesdienste in ihrer traditionellen Form erreichen konfessionslose und andersreligiöse Schüler*innen und deren Familien nur unzureichend. Gleichzeitig äußern Pfarrer*innen deutliche Vorbehalte gegenüber multireligiösen oder säkularen Feierformen. Der Beitrag beleuchtet, wie Praktiker*innen diese Spannung wahrnehmen und mit welchen Lösungsansätzen sie experimentieren, um ein rituelles Angebot zu schaffen, das tatsächlich inklusive ist und alle Schulanfänger*innen willkommen heißt.