Der Religionsmonitor 2013 der Bertelsmann Stiftung untersucht einen grundlegenden Zusammenhang: Lassen sich unterschiedliche Werte- und Kulturräume empirisch nachweisen – etwa ein gemeinsamer abendländisch-christlicher Wertekulturraum? Auf Basis von Daten aus 14.045 Personen in dreizehn Ländern zeigt die Studie, dass sich tatsächlich kulturspezifische Wertemuster identifizieren lassen, obwohl individuelle Werteunterschiede größer sind als Unterschiede zwischen Ländern.
Der Artikel nutzt das theoretische Fundament zweier einflussreicher Ansätze: Ronald Ingleharts Theorie zur menschlichen Entwicklung von materialistischen zu postmaterialistischen Werten sowie Shalom Schwartz' Wertetheorie, die zeigt, wie Werte miteinander korreliert sind und kulturelle Orientierungen prägen. Die Studie erfasst Werteorientierungen mittels des Portrait Values Questionnaire von Schwartz und identifiziert weltweit höchste Prioritäten für soziale Werte wie Mildtätigkeit, Universalismus und Selbstbestimmung.
Das zentrale Ergebnis: Personen aus dem abendländisch-christlichen Kulturraum (Europa, USA, Kanada) bewerten Selbstüberwindungswerte wie Altruismus und Offenheitswerte wie Selbstverwirklichung signifikant höher als Personen aus muslimischen Kulturen (Türkei), jüdisch geprägten Kulturen (Israel) oder asiatischen Kulturen (Südkorea). In Nordamerika zeigen sich zusätzlich besonders hohe Bewertungen von Stimulationswerten.
Der Beitrag verbindet Kultur- und Werteforschung mit dem Kontext aktueller gesellschaftspolitischer Herausforderungen wie Globalisierung und Migration, um zu klären, welche Werte unterschiedlich religiös geprägte Weltregionen teilen und wo sie divergieren. Dies ist zentral für das Verständnis interkultureller und interreligiöser Verständigung.