Der Aufsatz von Egbert Ballhorn und Claudia Gärtner befasst sich mit dem didaktischen Potenzial des Jona-Buches in der Grundschule. Ausgangspunkt ist eine Fallstudie über eine korrelativ ausgerichtete Unterrichtsreihe zu Jona in der Primarstufe. Die Analyse zeigt, dass ein rein korrelativer Ansatz – der die Faszination der Kinder für Tiere nutzt, um biblische Geschichten einzuführen – zwar niedrigschwellig ist, aber auch an seine Grenzen stößt: Die Kinder bleiben an der Oberfläche und entwickeln keine tiefergehende Auseinandersetzung mit dem Text als solchem. Als Alternative schlagen die Autoren einen intertextuellen Zugang vor. Intertextuelle Exegese versteht den biblischen Text in einem Netz von Bezügen zu anderen Texten und Traditionen: Das Buch Jona ist reich an solchen Querverweisen, etwa zu den Propheten Elija und Jesaja sowie zu Schöpfungs- und Psalmtexten. Im Religionsunterricht der Grundschule können solche intertextuellen Lernprozesse kindgerecht inszeniert werden, indem Kinder verschiedene Textvarianten, Illustrationen und Kinderbibeln vergleichen und so die Vielschichtigkeit biblischer Überlieferung entdecken. Der Beitrag entwickelt konkrete Kriterien für intertextuell orientierte Unterrichtssequenzen und diskutiert die Herausforderungen und Chancen dieses Ansatzes für die Bibeldidaktik in der Primarstufe.