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Religionspädagogische BeiträgeUlrich Kumher

Religionspädagogische Beiträge,

Ulrich Kumher

Dystopien und ihr religionspädagogisches Potenzial

Veröffentlichung:1.5.2019

Der Artikel untersucht das utopische Potenzial virtueller Realität aus religionspädagogischer Perspektive. Ausgehend von Karl Rahners Aussage zur heiligen Utopie werden Chancen und Grenzen virtueller Welten für religiöse Bildung, Erfahrung und die Vermittlung christlicher Hoffnung auf das Reich Gottes analysiert. Der Autor plädiert für eine kritische Nutzung virtueller Realität zur Förderung von Möglichkeitssinn und humanitärer Weltgestaltung.

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Kumher untersucht das religionspädagogische Potenzial virtueller Realität im Lichte christlicher Utopie-Theologie. Der Artikel gliedert sich in fünf Teile: (1) Einleitung mit Klärung von Utopie und virtueller Realität, (2) religionspädagogische Relevanz digitaler Wirklichkeit, (3) Entfaltung eines christlichen Utopie-Verständnisses, (4) virtuelle Realität als mögliche Heilsutopie, (5) utopisches Potenzial virtueller Realität. Zentral ist die These, dass virtuelle Realität als "Nicht-Orte" computergenerierte Konstrukte darstellen, die neue Möglichkeiten für Begegnung eröffnen, aber auch dystopische Szenarien ermöglichen. Der Cyberspace wird als eigenständige Wirklichkeit mit immersiven Möglichkeiten charakterisiert. Kumher arbeitet heraus, dass christliche Hoffnung nicht auf Allmachtshoffnung zielt, sondern auf die kommende Wirklichkeit Gottes. Virtuelle Realität kann dazu beitragen, alternative, humanere Szenarien zu simulieren und Möglichkeitssinn auszubilden. Der Autor warnt vor gnostischen Tendenzen der Entkörperlichung und betont die christliche Würdigung des Leibes. Gleichzeitig erkennt er Chancen: virtuelle Realität kann religiöse Rituale erschließbar machen, Empathie fördern (Empathy Games), Verständnis für religiöse Vollzüge anbahnen und weltweite Kommunikation ermöglichen. Die Verbindung von Online- und Offline-Realität wird als bildungstheoretisch fruchtbar erachtet. Kumher plädiert für eine gezielte pädagogische Nutzung virtueller Realität (Serious Games, Alternate Reality Games) zur Förderung des Möglichkeitssinns, zur Sensibilisierung für größere Möglichkeiten Gottes und zur Vorbereitung auf humanitäre Weltgestaltung. Die "Noosphäre" als Denkfigur bietet Orientierung für utopische Ziele. Abschließend wird argumentiert, dass der Anspruch christlicher Utopie für die Wirklichkeit fundamental ist, während virtuelle Realität als Werkzeug dienlich sein kann, ohne sie zu ersetzen.

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