Der Artikel bietet einen umfassenden Überblick über den Religionsunterricht in Skandinavien und Finnland. Zunächst wird die internationale, überwiegend europäische Diskussion zum RU erörtert, gefolgt von einer detaillierten Analyse der Situation in den Nordic- und skandinavischen Ländern. Die Autoren verwenden den Begriff "Religionsunterricht" statt "religiöser Unterricht", um die nicht-konfessionelle Natur des Faches zu verdeutlichen, obwohl dies im finnischen Fall komplex ist, da der RU nach der religiösen Zugehörigkeit der Schüler organisiert wird. Der Artikel behandelt zunächst die religiöse Landschaft in Finnland und Skandinavien. Trotz formaler Homogenität mit lutheranischer Mehrheit in allen Ländern zeigt sich eine zunehmende Säkularisierung. In Finnland gehörten 2013 etwa 78% der Finnen zur Evangelisch-Lutherischen Kirche, während 20,1% keiner Religionsgemeinschaft angehörten. Allerdings beobachtet man gleichzeitig einen Prozess der "Post-Säkularisierung" und wachsendes Interesse an neuen religiösen Bewegungen und Spiritualität. Ein charakteristisches Phänomen ist das "nordische Paradoxon": Obwohl die Kirchenbesuche niedrig sind, nehmen Menschen an Lebensfeiern teil. Der Artikel dokumentiert die historische Entwicklung des RU in jedem Land. Schweden war das erste skandinavische Land, das nicht-konfessionellen RU einführte. Der Unterrichtsname wurde 1962 von "Christentum" in "Wissen über das Christentum" und 1969 in "Wissen über Religion" geändert. Dies markierte den Übergang von konfessionellem zu nicht-konfessionellem Unterricht. Dänemark folgte 1975 mit nicht-konfessionellem RU, wobei das Fach "Kristendomskunskab" (Wissen über Christentum) genannt wird. Norwegen etablierte 1997 das Fach "Christentum und Orientierung zu Lebensfragen" und 2008 umbenannt in "Religion, Weltanschauung und Ethik". Finnlands RU-Modell unterscheidet sich grundlegend: Es ist ein religionsbasiertes Modell, bei dem Schüler RU nach ihrer religiösen Zugehörigkeit erhalten oder säkulare Ethik-Klassen besuchen. Dies basiert auf einer 1920er-Jahre-Entscheidung, dass Schüler RU ihrer Religionszugehörigkeit entsprechend erhalten sollten. Das finnische System umfasst heute separate Curricula für die lutheranische und orthodoxe Kirche sowie elf Minderheitsreligionen und säkulare Ethik. Die Autoren identifizieren mehrere aktuelle Herausforderungen und Diskussionen. Das segregierte finnische Modell wird kritisiert, da es weniger Möglichkeiten für interreligiösen Dialog bietet. Die Konzeption von "meiner eigenen Religion" als singulär ist pädagogisch problematisch, da Identität heute als fluide und mehrschichtig verstanden wird. Ein wichtiger aktueller Punkt ist die Integration von Minderheitsschülern in die Schulkultur und die Frage, wie verschiedene religiöse Gruppen miteinander in Dialog treten können. Der Artikel hebt fünf wichtige Fragen für die Zukunft des RU hervor: Erstens sollten die relevanten Ziele und Inhalte des RU als Teil der Gesamtschulbildung überlegt werden. Zweitens ist zu bedenken, dass RU mit Nationalität und Bürgership verknüpft ist und zur Vermittlung kosmopolitischer Fähigkeiten beitragen sollte. Drittens muss die Antwort auf Säkularisierung und religiöse Vielfalt diskutiert werden. Viertens sollte der Beitrag des RU zur gegenseitigen Integration religiöser und weltanschaulicher Perspektiven geklärt werden. Fünftens ist eine schülerorientierte Pädagogik zu entwickeln, die aktuelle Veränderungen in Lernumgebungen berücksichtigt.