RU-digitalRU-digital-logo
1 Bild
Religionspädagogische BeiträgePatrik C. Höring

Religionspädagogische Beiträge,

Patrik C. Höring

Firmung - Sakrament zwischen Zuspruch und Anspruch

Veröffentlichung:1.5.2019

Die Untersuchung analysiert die Firmungspraxis aus sakramententheologischer und praktisch-theologischer Perspektive. Sie untersucht die Widersprüche zwischen hohem Engagement bei zahlreichen Firmbewerbern einerseits und geringem Interesse der Gemeinden sowie Unzufriedenheit mit der Situation andererseits. Die Studie klärт das Verständnis von Firmkatechese als Lernprozess Glaubender und interpretiert die Firmung als Sendung und Beauftragung zum Apostolat.

Products

Die Habilitationsschrift von Patrik C. Höring untersucht die Firmungspraxis in Kirche und Gemeinde und diagnostiziert ein widersprüchliches Bild: Einerseits zeigen sich hohes Engagement und zahlreiche Firmbewerber, andererseits wird ein geringes Interesse seitens der Gemeinden und diffuse Unzufriedenheit mit der Situation evident. Viele Hauptamtliche kämpfen mit der großen Zahl von Bewerbern, während Ehrenamtliche enttäuscht sind, dass die intensive Vorbereitungszeit nicht in verstärkte Gemeindebeteiligung mündet. Die Jugendlichen selbst haben oft unklar formulierte oder ganz andere Interessen. Methodisch verbindet die Studie eine religionssoziologische Perspektive mit historischen Entwicklungsstufen des Firmsakraments bis zur nachkonziliaren Erneuerung. Sie analysiert aktuelle Firmmappen hinsichtlich ihres expliziten und impliziten Firmverständnisses sowie didaktischen Konzeptes und zieht systematisch-theologische und liturgiewissenschaftliche Beiträge heran. Die Ergebnisse zeigen: (1) Katechese ist als expliciter Lernprozess für die heterogene Zielgruppe der Gläubigen zu verstehen, die sich in ein weites Konzept pastoralen Handelns einbettet. Im Unterschied zu reiner Sakramententechnik braucht es „missionarische und evangelisierende Lernformen". (2) Die Firmung wird als Sakrament der Sendung und Beauftragung interpretiert. Ihre heutige Gestalt ist ein komplexes Ritengefüge mit verschiedenen Zeichenhandlungen (Salbung, Besiegelung, Handauflegung) und Deutungen (christologisch, pneumatologisch, ekklesiologisch, religions-anthropologisch). Das Zweite Vatikanische Konzil hebt besonders den Aspekt der Sendung hervor: Taufe und Firmung beauftragen zum Apostolat in Kirche und Welt. (3) Die Firmung folgt einer sakramentalen Doppelstruktur von Zuspruch und Anspruch. Die Sakramentenfeier setzt nicht nur diffuse Zustimmung voraus, sie realisiert Kirche. Die Feier mit dem Bischof, das öffentliche Glaubensbekenntnis und die Geste der Handauflegung machen die Beauftragung zur Sendung sichtbar. (4) Als Anamnese und Epiklese zugleich ist die Firmung zunächst dankbare Erinnerung an Gottes Wirken im Heiligen Geist. Katechese trägt hier Züge „mystagogischer Einführung in die religiöse Erfahrung" (Rahner), die allerdings in der gegenwärtigen Praxis selten vermittelt wird. Die Liebe ist die „Seele des gesamten Apostolates". Praktische Konsequenzen: Eine als Vorbereitung auf die Sendung verstandene Firmkatechese nimmt die Differenzierung zwischen Erstverkündigung und Sakramentenkatechese ernst. Sie begleitet lebendige Zeugen, Praxisanleiter oder Mentoren, die Firmanwärter lebensnah und alltags-praktisch im Glauben begleiten. Diese benötigen vor allem geistliche Begleitung statt methodische Kompetenz.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell, während andere uns helfen, diese Website und Ihre Erfahrung zu verbessern Datenschutz.