Der Artikel bilanziert die religionspädagogische Forschung der letzten 20 Jahre zum konfessionell-kooperativen Religionsunterricht (kokoRU). Zunächst werden die theoretischen Ziele des kokoRU systematisiert: Sensibilisierung für konfessionelle Kulturen, Bewusstsein für Gemeinsamkeiten und Unterschiede, Befähigung zum Perspektivenwechsel, Abbau von Klischees, Respekt vor beiden Konfessionen und Vertiefung der eigenen konfessionellen Identität. Die Autoren unterscheiden dabei zwischen konfessionsbezogenem Wissen, Einstellungen und Perspektivenwechsel als zentrale Lernziele. Die empirische Analyse berücksichtigt Befunde aus vier Bundesländern mit unterschiedlichen methodischen Zugängen: qualitative Interviews, quantitative Fragebögen mit Selbsteinschätzungen und Tests. Die Daten werden systematisch nach Perspektiven geordnet: Aussagen von Lehrkräften, Eltern und Schülerinnen und Schülern. Die Elternbefragungen erweisen sich als wenig aussagekräftig, da der Religionsunterricht in vielen Familien kein Thema ist und Eltern oft nicht zwischen "Religion" und "Konfession" unterscheiden. Bei den Lehrkräften zeigen sich heterogene Befunde. Sie berichten von Wissenszuwächsen bei den Schülerinnen und Schülern, besonders bei spezifischen Themen wie Reformation, Konfirmation und Eucharistie. Allerdings diagnostizieren sie weniger deutlich ein gestiegenes konfessionelles Bewusstsein. Die Befunde unterscheiden sich regional: Während niedersächsische Lehrkräfte eine ökumenische Orientierung betonen, beschreiben hessische Lehrkräfte ein konfessionell stärker profiliertes Programm. Die Schülerdaten zeigen ein differenziertes Bild. Qualitative Interviews belegen, dass Grundschulkinder sicherer werden im Umgang mit konfessionellen Begriffen und lernen, Unterschiede zwischen Konfessionen zu benennen. Quantitative Selbsteinschätzungen deuten darauf hin, dass sich Einstellungen gegenüber den Konfessionen und die Pluralitätsfähigkeit verbessern. Tests zum konfessionsspezifischen Wissen zeigen durchgängig Zuwächse, besonders in der Grundschule, wobei die Effektstärken eher klein ausfallen und sich teilweise auch in Vergleichsgruppen des herkömmlichen Religionsunterrichts zeigen. Bemerkenswert ist, dass sich über alle Evaluationen hinweg keine Indizien für negative Effekte wie zunehmende Vorurteilsbildung finden. Dagegen können nur vereinzelt markante Veränderungen beim konfessionellen Bewusstsein oder bei der Identifikation mit der eigenen Konfession dokumentiert werden. Die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel wurde nur von Lehrkräften eingeschätzt, aber nicht belastbar durch Schülerbefunde erhoben. Die tabellarische Zusammenfassung zeigt: Das konfessionsspezifische Wissen nimmt in den meisten Studien zu. Die Einstellung gegenüber den Konfessionen und die Dialog- bzw. Pluralitätsfähigkeit verbessern sich tendenziell. Das konfessionelle Bewusstsein und die Klärung der eigenen Position zeigen ambivalente Ergebnisse. Der Perspektivenwechsel wird eher skeptisch beurteilt. In der Diskussion argumentieren die Autoren, dass der kokoRU dort, wo er wirkt, im Sinne seiner Ziele wirkt, diese aber nur in längerfristigen Prozessen erreichbar sind. Die punktuellen Einblicke der Evaluationen reichen möglicherweise nicht aus, um tiefgreifende Veränderungen zu erfassen. Gleichzeitig formulieren die Ziele des kokoRU eher Maximalstandards denn Regelstandards. Die Autoren identifizieren Forschungsdesiderate: länderübergreifende Evaluationen zur Klärung regionaler pädagogischer Unterschiede und gezielteren Einsatz der diagnostischen Kompetenz von Lehrkräften.