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Religionspädagogische BeiträgeMirjam Schambeck

Religionspädagogische Beiträge,

Mirjam Schambeck

Der Religionsunterricht als Lernort religiöser Differenz in einer plural gewordenen Gesellschaft

Veröffentlichung:1.5.2019

Der Artikel untersucht die Rolle des Religionsunterrichts als Lernort für den produktiven Umgang mit religiöser Differenz in einer pluralen Gesellschaft. Im Fokus stehen die ungeklärte gesellschaftliche Rolle von Religion, die konfessionelle Heterogenität im Christentum und die Entwicklung religiöser Differenzkompetenz als zentrale Kompetenz für Schülerinnen und Schüler.

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Mirjam Schambeck analysiert in diesem Artikel die Herausforderungen des Religionsunterrichts in einer postmodernen, pluralen Gesellschaft. Die Autorin identifiziert drei makrokontextuelle Brennpunkte: erstens die ungeklärte gesellschaftliche Rolle von Religion (sinkende Kirchenmitgliederzahlen versus steigende Bedeutung von Religion für Migration und Identität), zweitens die gesellschaftliche Ambivalenz im Umgang mit religiöser Heterogenität (zwischen Pluralisierungstrends und Ritualisierungstendenzen) und drittens die strittige Frage nach der Ausrichtung religiöser Bildung. Der traditionelle, konfessionell getrennte Religionsunterricht wirkt wie ein Fremdkörper in dieser Situation und irritiert Schülerinnen und Schüler sowie Lehrende. Als Kernlösung schlägt Schambeck vor, den Religionsunterricht als Lernort religiöser Differenz zu konzipieren. Dies erfordert die Entwicklung von religiöser Differenzkompetenz auf der Subjektseite, die die Autorin in drei Kompetenzbereichen ausdifferenziert: (1) den ästhetischen Kompetenzbereich (Wahrnehmung von Eigenem und Fremdem), (2) den hermeneutisch-reflexiven und hermeneutisch-kommunikativen Kompetenzbereich (Verstehen und Ausdrücken von Unterschiedlichkeiten) und (3) den praktischen Kompetenzbereich (Reflexionsfähigkeit und Vollzugskompetenz). Konkret entwickelt die Autorin ein Modell konfessionell-kooperativen Lernens, das am Beispiel des Ko-Ko (Kooperation Konfessionell) in Baden-Württemberg illustriert wird. Dieses Modell ermöglicht es, konfessionelle Unterschiede bewusst wahrzunehmen und zu verstehen, ohne sie zu nivellieren oder zu stigmatisieren. Schambeck argumentiert, dass konfessionell-kooperative Lernprozesse mehr Wissen (nicht weniger) voraussetzen und längere Ausbildungszeiten erfordern. Abschließend plädiert die Autorin dafür, den Religionsunterricht als produktiven Lernort für den Umgang mit Differenz auszugestalten, der auch auf andere gesellschaftliche Bereiche übertragbar ist. Sie betont, dass dies eine theologische Neuausrichtung voraussetzt, die Komplementarität und Unterschiedlichkeit nicht als Defizit, sondern als Zeichen der Fülle des Heiligen Geistes versteht.

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