Der Artikel präsentiert Befunde eines quasi-experimentellen Forschungsprojekts an der Universität Siegen zur Wirkung von Unterrichtsgängen in die Ortskirche auf Schüler/-innen der 3. Jahrgangsstufe. Die zentrale Fragestellung lautet, ob kirchenraumpädagogisch gestaltete Unterrichtsgänge einem inhaltsanalogen Religionsunterricht im Klassenzimmer überlegen sind. An der Studie nahmen insgesamt 1143 Kinder aus Bayern und Nordrhein-Westfalen teil, die in vier verschiedene Lernwege aufgeteilt wurden: zwei Experimentalgruppen mit ein oder zwei Kirchenbesuchen, eine Experimentalgruppe mit Klassenzimmerunterricht zu auratischen Aspekten, und eine Kontrollgruppe, die ausschließlich im Klassenzimmer arbeitete. Die Unterrichtssequenz „Kirche – Gemeinschaft und Raum" umfasste sieben Unterrichtseinheiten mit unterschiedlichem Schwerpunkt (Kirchengemeinde, Atmosphäre, Funktionen, Ausstattung). Die Datenerhebung erfolgte mittels Pre-Post-Tests zu Wissen und Einstellung, sequenzbegleitenden Fragen zum situationalen Interesse sowie offenen Rückmeldungen zum Kirchenraumbesuch. Die Ergebnisse zeigen: (1) Beim Wissenserwerb erzielen Schüler/-innen mit zwei Kirchenbesuchen oder mindestens einem Besuch zur Wahrnehmung der auratischen Dimension signifikante Zuwächse. Dies gilt besonders auf nominalem Anforderungsniveau. Ein Kompensationseffekt zeigt sich bei Kindern ohne religiöse Familiensozialisaton. (2) Die Einstellung gegenüber dem Kirchenraum verbessert sich in allen vier Gruppen gleichermaßen, was überraschend ist, da ursprünglich angenommen wurde, dass originale Begegnungen stärkere affektive Effekte bewirken. (3) Das situationale Interesse wird durch Unterrichtsgänge stärker stimuliert, wiederum mit kompensatorischen Effekten für Kinder mit schwachem religiösem Hintergrund. (4) Die Rückmeldungen zum Kirchenraumbesuch sind überwiegend positiv (89% positive Bewertungen), wobei ca. 1/3 der Schüler/-innen ein spirituelles oder religiöses Raumerleben berichten. Fazit: Unterrichtsgänge erweisen sich nur unter bestimmten Bedingungen als wirksamer – die Lernenden benötigen Zeit und Gelegenheit, sich auf die neue Lernumgebung einzustellen, bevor sie sachliche Informationen verarbeiten. Die Platzierung innerhalb einer didaktischen Sequenz ist maßgebend. Als Limitationen werden genannt: Beschränkung auf Grundschule und katholische Kirchen, Fokus auf zwei deutschsprachige Regionen, Frage nach Nachhaltigkeit ungeklärt, qualitative Verfahren fehlten teilweise.