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Religionspädagogische BeiträgeJan HerbstJohanna HankeHenrike Herdramm

Religionspädagogische Beiträge,

Jan Herbst,

Johanna Hanke,

Henrike Herdramm

Zum Umgang mit kontroversen Themen im konfessionellen Religionsunterricht in Deutschland

Veröffentlichung:1.5.2019

Der Artikel untersucht die Fähigkeit des konfessionellen Religionsunterrichts, sich mit kontroversen Themen in einer superdiverse Gesellschaft auseinanderzusetzen. Am Beispiel des katholischen Religionsunterrichts in Deutschland werden sowohl Herausforderungen als auch Chancen analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass konfessioneller Religionsunterricht religiöse Mündigkeit fördern kann, wenn Lehrkräfte didaktische Standards umsetzen.

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Der Artikel geht der Frage nach, inwieweit der konfessionelle Religionsunterricht (RU) kontroverse Themen (CIs) in einer superdiverse Gesellschaft bewältigen kann. Ausgangsthese ist, dass konfessioneller RU strukturelle Nachteile hat, da er eine eingeschränkte Perspektivenvielfalt bietet und sich an eine bestimmte Religionsgemeinschaft ausrichtet. Die Autorinnen und Autoren systematisch untersuchen dies mittels des didaktischen Dreiecks (Lehrkräfte, Themen/Inhalte, Schülerinnen und Schüler). Bei den Lehrkräften zeigen sich zwei zentrale Probleme: das Indoktrinationsrisiko und die Tendenz, kontroverse Themen zu vermeiden. Jedoch wird aufgezeigt, dass Lehrkräfte durch didaktische Standards, die religiöse Mündigkeit fördern (Offenheit für Dissens, Debattenkultur, Transparenz, freiwillige Teilnahme, Räume für kritischen Austausch), diesen Herausforderungen begegnen können. Gleichzeitig entwickeln konfessionelle Lehrkräfte spezifische Kompetenzen für die Behandlung religiöser Kontroversen durch ihre vertiefte Beschäftigung mit einer Religion und ihre Fähigkeit, als glaubwürdige Vorbilder zu fungieren. Auf der Ebene der Themen wird unterschieden zwischen empirischen, ethisch-normativen und fundamentalen Kontroversen. Konfessioneller RU zeigt besondere Stärken bei fundamental kontroversen Themen (auf Weltanschauungsebene), da die vertiefte Auseinandersetzung mit einer Tradition den kritischen Blick auf hegemoniale Positionen schärft und Ideologiekritik ermöglicht. Dies unterscheidet sich von integrativen Modellen, die eher auf Wertkonflikte fokussieren. Bei den Schülerinnen und Schülern wird deutlich, dass die ideologische Diversität in konfessionellem RU größer ist als oft angenommen. Ein wesentlicher Vorteil ist das Konzept des „sicheren Raums" (safe space), das konfessioneller RU bietet. Dies ist besonders wichtig, da religiöse Schülerinnen und Schüler in der Gesellschaft Diskriminierungsrisiken ausgesetzt sind. Die relative Homogenität ermöglicht es, religiöse Fragen offen und ohne Diskriminierungsgefahr zu diskutieren. Die Autorinnen und Autoren kommen zu dem Schluss, dass nicht die Organisationsform an sich, sondern kontextuelle und pädagogische Faktoren entscheidend für die Qualität des Unterrichts zu kontroversen Themen sind. Konfessioneller RU kann also durchaus hochwertige Diskussionen zu kontroversen Themen ermöglichen, wenn adäquate didaktische und methodische Standards umgesetzt werden.

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